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Das Reisetagebuch

Hier finden Sie alles über die neuesten Reiseerlebnisse der Hiltmanns auf dem amerikanischen Kontinent.

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Mo. 10.05.2010

Isla Aguada und Palenque

Wir hatten uns eine kleine Ruhepause verdient, ein oder zwei Tage ohne Ruinen und Pyramiden. Gut geeignet schien uns der nette Campingplatz auf der Isla Aguada, auf dem wir schon einmal zwei Tage gestanden haben. Immer am Meer entlang, mit einer Zwischenübernachtung in Campeche, fuhren wir zu dem kleinen tropischen Paradies. Auf dem Platz wird die Rabattkarte „Passport Amerika“ akzeptiert, so dass wir normalerweise nur den halben Preis zu zahlen brauchten, aber auch diesmal wieder die gleiche Diskussion mit der Managerin darüber, wie viel 50 Prozent sind. Das Angebot sah in etwas so aus: Normalpreis pro Nacht sind 300 Pesos und mit Rabattkarte nur 250 Pesos – aber nicht mit uns. Wie schon beim letzten Besuch haben wir eine geschlagene halbe Stunde diskutiert – und dann natürlich nur den halben Preis bezahlt.

Der Tag verging viel zu schnell mit schwimmen, sonnen, relaxen. Am Abend wurde gegrillt und in der lauen Nacht saßen wir dann noch lange vor dem Wohnmobil und hatten so viel zu erzählen – Kathi von Deutschland und ihrer Arbeit und wir von Amerika und unserer Reise.

Am nächsten Morgen wurden wir von lauter mexikanischer Musik geweckt. Auf dem Wasser sammelten sich bunt geschmückte Boote, die dann in einer Formation mit Böllerschüssen und Raketen an der Stadt vorbeifuhren. „In Isla Aguada wird im Mai mehrere Wochen gefeiert, jeder Tag ist einer anderen Personengruppe gewidmet. Heute ist der Tag der Fischer“, sagte uns die Hotelmanagerin. Die Feier ging bis spät in die Nacht und endete mit einem großen Umzug durch die Stadt. Was an den anderen Tagen ablief, haben wir nicht mehr erleben können. Unser Zeitplan wäre in Gefahr gewesen. Gleich nach dem Frühstück sind wir am nächsten Morgen in Richtung Palenque gestartet.

Die Fahrt verlief ruhig, die Straßen waren in einem ordentlichen Zustand. Wir kamen gut voran. Kurz hinter Chablé gaben uns die entgegenkommenden Fahrzeuge auf der Mex 186 per Lichthupe das Zeichen, wir sollten langsamer fahren. Das ist üblich in Mexiko, man warnt sich gegenseitig vor Gefahren. Wenige Kilometer weiter sahen wir den Grund. Dichter Rauch lag über der Straße, und ein beschädigter Bus stand am Straßenrand. Einige Autos waren auf den Randstreifen gefahren, die Fahrer diskutierten aufgeregt. Wir haben natürlich nichts verstanden, unser Spanisch ist noch viel zu schlecht. Einzelne Fahrzeuge überholten uns, fuhren auf der Straße weiter und verschwanden bald im dichten Rauch. Auch von der anderen Seite kamen jetzt einige Autos durch. Nachdem wir eine halbe Stunde gewartet hatten entschlossen wir uns, die Unfallstelle zu passieren. Der Rauch war so dicht, dass wir auf den nächsten 50 Metern absolut nichts sahen – und dann plötzlich, direkt vor uns ein brennender Pkw und abgesplitterte Autoteile auf unserer Fahrbahn. Im dichten Rauch eines Waldbrandes war dieser Pkw mit dem Bus zusammengestoßen und hatte Feuer gefangen. Dadurch war der Rauch noch undurchdringlicher. Kathi hatte die Gefahr zuerst gesehen, und ich konnte im letzten Moment ausweichen. Zum Glück war die Gegenfahrbahn frei. Erst nach etwa einer halben Stunde kamen uns Polizei- und Krankenwagen auf der Fahrt zur Unfallstelle entgegen. Das hätte auch ganz anders für uns ausgehen können, unser Schutzengel war wieder mit dabei. Wir fuhren nur noch bis zum Abzweig der Mex 199 und standen die Nacht kurz vor Palenque an einer PEMEX-Tankstelle.

Nur noch 40 Kilometer waren es am nächsten Morgen bis zu den Ruinen von Palenque,  nach einer guten halben Stunde waren wir da. Eigenartige und ungewohnte  Geräusche umgaben uns auf dem Weg durch das Gelände. Neben exotischen Vogelstimmen und dem Gezirpe von Zikaden hörten wir auch das heisere Fauchen der Brüllaffen. Eine Geräuschkulisse, die zu den geheimnisvollen Ruinen inmitten des Urwaldes passte. Auch in Palenque gibt es für Archäologen noch viel zu entdecken. Nur 10 Prozent der über 500 Ruinen, Pyramiden und Tempel sind bisher freigelegt und immer wieder werden sensationelle Entdeckungen gemacht. Das schönste Bauwerk in Palenque ist der Templo de las Inscripciones, der Tempel der Inschriften, hoch oben auf einer als Grabmal errichteten Pyramide. Erst 1952 entdeckte man hier das Grab von Pacal dem Großen, dem wichtigsten Herrscher in Palenque, und damit das erste Grabmal in einer Maya-Pyramide überhaupt. 1994 dann die nächste Sensation: Das Grab der Roten Königin wurde in der benachbarten Pyramide XIII entdeckt, und 2003 wurde wieder ein unversehrtes,1400 Jahre altes Grab in Palenque gefunden.

Wir sitzen im Schatten des El Palacio, dem Palast von Palenque, und lassen die außergewöhnliche Stimmung dieser versunkenen und wieder auferstandenen Stadt auf uns wirken. Wie muss es hier ausgesehen haben, als Palaenque noch eine lebendige Mayastadt mit tausenden Bewohnern war? Die mit feinen Stuckreliefs verzierten Gebäude waren zinnoberrot angestrichen, und bildeten in der hellen Tropensonne einen fantastischen Kontrast zum azurblauen Himmel und dem satten Urwaldgrün. Trotzdem wurde Palenque, wie alle anderen Mayastädte auch, von seinen Bewohnern vor ca. 1200 Jahren aufgegeben und verlassen. Die Gründe sind bis heute unklar, ein weiteres Betätigungsfeld für die Archäologen.

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