Wer zu DDR-Zeiten im Osten Deutschlands aufgewachsen ist, weiß, dass Fernreisen kaum möglich waren. In der Regel verteilte der Staat die Ferienplätze und die wenigen Auslandsangebote waren für uns als Familie mit 4 Personen kaum bezahlbar. Über Jahre hinweg mieteten wir uns im Sommer ein einfaches Zimmer in Rostock und verbrachten erholsame Ferien an der Ostsee. Nach dem Fall der Mauer buchten wir erst Pauschalreisen in die unterschiedlichsten Regionen Europas und auch Nordafrikas. Die kulturelle Vielfalt faszinierte uns zunehmend, der Reisevirus hatte uns befallen.

Seit 2003 ging es mit unserem ersten eigenen Wohnmobil durch die Lande. Wir nutzten jeden Urlaub, alle freien Tage und manches Wochenende zum Campen in der Natur. Von Nordeuropa bis nach Nordafrika waren wir unterwegs und verliebten uns in die Freiheit, die ein Wohnmobil zu bieten hat: Fahren, wohin man will, bleiben, wo es uns gefällt - und doch alles Notwendige dabei. Wir mutierten zu absolut überzeugten und bekennenden Reisemobilisten. 2005 unternahmen wir zusammen mit unserer Tochter eine Reise im Mietwagen durch Arizona, USA. Oft dachten wir dabei an unser eigenes Reisemobil und wie schön es wäre, die fantastische Natur Nordamerikas ohne jeglichen Zeitdruck erleben zu können. Dann kamen 2007 noch drei Monate im Reisemobil durch Marokko hinzu und unser Traum begann sich deutlich zu formulieren.
So schön unsere Reisen auch waren, immer gaben sie uns das Gefühl, dass die Zeit viel zu schnell verrinnt. Gerne wären wir einfach länger geblieben. Wie viele andere Reisemobilisten wünschten wir uns, weiterfahren und nicht umkehren zu müssen, um das Gefühl „on the road“ zu sein, unendlich ausdehnen zu können. Meistens verflogen diese Gedanken nach einigen Tagen zuhause und im Job, der Alltag vereinnahmte uns stets aufs Neue. Aber wer vom Reisevirus angesteckt wurde, weiß, er lässt einen nicht mehr los. Dann fingen wir an Pläne zu schmieden, herumzurechnen und unsere finanziellen Möglichkeiten zu überprüfen: Wo lässt sich sparen, auf was können wir verzichten, wie viel Geld brauchen wir überhaupt für eine Langzeitreise? In unserem Fall bot die Umstrukturierung in Bernds Unternehmen eine echte Chance zum Ausstieg. Jetzt oder nie, dachten wir und packten es an.
