Auf den Spuren Napoleons

Frankreich

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Schwimmen in einem Bergsee. Eine Wanderung bis an die Baumgrenze. Baden im Mittelmeer. Blühende Lavendelfelder und malerische Städte. Wer den Südosten Frankreichs kennenlernen will, sollte über die Route Napoléon anreisen.

Impressionen

Der Weg ist das Ziel, sagt man unter Wohnmobilfahrern. Das wird uns wieder einmal bewusst, als wir den Hobby VANTANA über die berühmte Route Napoléon bis ans Mittelmeer lenken. Doch so richtig halten wir uns nicht an die Original-Route, denn in den Alpes de Savoie und den südlich angrenzenden Alpes-de-Haute-Provence gibt es so viel zu sehen, dass sich ein paar spontane Abstecher gar nicht vermeiden lassen.

Annecy ist das erste Highlight und der Auftakt unserer Reise. Man nennt die Stadt am gleichnamigen See auch das Venedig der Alpen. Nicht ohne Grund: Der gepflegte alte Stadtkern wird von zahlreichen Kanälen durchzogen, durch die Gebirgsbäche zum See fließen. Man kann hier über alte Steinbrücken spazieren und immer neue malerische Winkel entdecken. Die Küche ist französisch und wie üblich in Frankreich steht vor allem das auf der Karte, was typisch für die Region ist.

Auf dem malerisch an einem Hang über der Stadt gelegenen Camping Municipal endet dann die sommerliche Hitze des Tages mit einem energischen Gewitter. Die recht großen Hagelkörner machen zwar einen Besorgnis erregenden Lärm auf dem Fahrzeugdach, aber der VANTANA steckt sie Gott sei Dank ohne erkennbare Spuren weg.

Die nächste Etappe soll über Albertville und ein Stück Autoroute nach Briançon führen. Aber dann ist plötzlich ein Tunnel gesperrt und alles kommt anders. Wir entschließen uns, eine alternative Route durch die Berge zu nehmen. Sie sieht auf der Karte eigentlich recht harmlos aus. Aber in der Realität entpuppt sie sich als eine recht abenteuerliche Passstraße mit unendlichen Serpentinen und grob in den Berg gehauenen Tunnels. Als wir alles überstanden haben, landen wir schließlich auf einem Parkplatz am Col de Lautaret. Von hier aus hat man einen grandiosen Panoramablick. Wir beschließen ganz spontan, hier die Nacht zu verbringen. Die Alpenfestung Briançon mit ihrer mittelalterlichen Altstadt erreichen wir daher erst am Folgetag. Briançon ist die höchste Stadt Frankreichs und UNESCO-Weltkulturerbe.

Als Nächstes ist eine Wanderung in den Hautes-Alpes geplant. Doch den anvisierten Campingplatz gibt es nicht mehr. Nach einem Gespräch mit einem freundlichen Gendarmen landen wir stattdessen weitab von jeder Zivilisation im Naturcamping De L’Iozard. Der Platz erweist sich als wahrer Glückstreffer, und wir bleiben gleich drei Tage dort. Er liegt mitten im Wald, umgeben von schroffen Felsmassiven und hat einen eigenen kleinen Badesee. Der Besitzer empfiehlt uns eine Bergtour zum Col du Cros. Sie ist sehr anstrengend, bietet aber unvergessliche Ausblicke.

Links: Südlich an der Route Napoléon liegt das malerische Städtchen Castellane. Mitte: Zwischenstopp mit Blick auf die Gipfel der Savoyer Alpen. Rechts: Per Fahrrad geht's durchs Mittelmeer-Städtchen Antibes.

Die Route führt dann über unzählige Kurven entlang der Durance und durch die Berglandschaft der Alpes-de-Haute-Provénce bis nach Digne les Bains. Der Ort ist vor allem für seine Fossilienfunde bekannt. Im angrenzenden „Réserve Naturelle Géologique de Haute Provence“ kann man auf markierten Wegen versteinerte Pflanzen und die Versteinerung eines 185 Millionen Jahre alten Ichthyosauriers bestaunen. Außerdem gibt es direkt an der D900A eine Ammonitenplatte mit unzähligen versteinerten Muscheln. Der UNESCO Géoparc de Haute Provénce in Digne eröffnet zudem einen interessanten und lehrreichen Einblick in die Erdgeschichte.

Wir folgen der Route Napoléon, die hier über eine gewundene Straße durch schroffe Felslandschaft führt, bis nach Castellane. Das malerische Städtchen am Verdon ist ein guter Ausgangsort für Kajak-Touren durch die Gorges du Verdon. Da der schönste Wanderweg in der Schlucht geschlossen ist, verbringen wir in Castellane einen entspannten Abend im empfehlenswerten Restaurant „La Voute“ in der Rue de Mitan.

Unser nächster Stopp ist Grasse. Die Stadt ist vor allem durch ihre Parfümerien und den Film „Das Perfüm“ nach dem gleichnamigen Buch von Patrick Süskind bekannt. In den engen Gassen der an einem steilen Hang klebenden Altstadt fühlt man sich schnell ein paar Jahrhunderte zurückversetzt. Ein Muss ist natürlich ein Besuch des Musée International de la Parfumerie.

Von Grasse bis Antibes am Mittelmeer ist es nur noch ein kurzer Weg. Wir nutzen die erstbeste Gelegenheit und halten an einem weiten Sandstrand, um ausgiebig im Meer zu baden. Antibes besitzt eine schöne Altstadt und mit dem Picasso-Museum ein echtes kulturelles Highlight.

Eine Fahrt entlang der Mittelmeer-Küste wollen wir uns nicht entgehen lassen, auch wenn sie recht zeitraubend ist. Da Cannes direkt auf dem Weg liegt, steht ein Spaziergang auf dem Boulevard de la Croisette auf dem Programm.

Doch unser eigentliches Etappenziel ist die Calanque, und so landen wir nach einer stundenlangen Sightseeing-Tour schließlich in Cassis. Der familiäre Touristenort ist ideal zum Besuch der versteckten Badebuchten der Calanque, die man nur über lange Fußwege oder vom Meer her erreichen kann.

Von Cassis geht es wieder gen Norden nach Aix-en-Provence. Ein Kaffee am Cours Mirabeau, ein Besuch im Atelier von Paul Cézanne, ein klassisches Konzert im Grand Théâtre de Provence – wie schön, dass man in einem Wohnmobil Kleidung für alle Gelegenheiten dabei haben kann. 

Bei einer sommerlichen Tour durch die Provence darf natürlich eines nicht fehlen: Lavendel. Auf dem Plateau de Valensole reichen die blau-violett blühenden Felder bis zum Horizont. Der geradezu betäubende Duft liegt schwer in der Luft und der Anblick bleibt uns für immer im Gedächtnis haften.

Sisteron ist auf dem Hinweg einem großzügigen Abstecher nach Briançon und Digne zum Opfer gefallen. Daher holen wir den Besuch der Stadt auf dem Rückweg nach. Sie liegt an einer Engstelle der Durance und gilt als Juwel der Haute-Provence. Die malerische Altstadt von Sisteron mit ihren schönen Plätzen und Brunnen ist quasi der Schlusspunkt unserer Reise durch die Savoyer Alpen und die östliche Provence. Eine Tour, die für einen kompakten Kastenwagen wie dem Hobby VANTANA wie gemacht ist!

Text und Fotos: Stephan. E. Wolf

Campingplätze an der Route

Auf der Fahrt von Annecy im Norden der französischen Alpen bis hinunter ans Mittelmeer und wieder zurück durch die Alpen haben 
wir sechs Campingplätze und einen Reisemobil-Stellplatz besucht. Die meisten dieser Plätze liegen direkt an der Route Napoléon.

1. Camping municipal Le Belvédère

Dieser Platz ist die klare Empfehlung zum Besuch der Lagunenstadt Annecy. Zu Fuß braucht man zwar eine gute halbe Stunde bis zur Altstadt, dafür liegt der Platz ruhig und malerisch an einem Hang und bietet saubere Sanitäranlagen und ein kleines Restaurant. Baguette gibt es auf Bestellung. 

8 Route du Semnoz 
74000 Annecy 

Tel. +33 4 50 45 48 3

annecy-camping-municipal.fr

2. Camping de I’lzoard

Ein Platz zum Abschalten und die Zeit vergessen. Naturbelassen mitten im Wald und umgeben von den Bergen der Hautes-Alpes findet man hier Ruhe pur. Die Sanitäranlagen sind einfach und sauber. Die Ver- und Entsorgung ist kein Problem.

Lieu dit Le Planet- Arvieux
05350 Arvieux Queyras

Tel. +33 6 33 33 98 12

www.campingdelizoard.com

3. Les Eaux Chaudes

Der Platz liegt am Rande von Digne-les-Bains an einem Fluss, direkt neben dem Thermalbad. Wer im Hochsommer kommt, findet hier unter den zahlreichen Bäumen ein angenehm schattiges Plätzchen. Mehrmals in der Woche erscheinen Food Trucks auf dem Platz und bieten einfache Mahlzeiten an.

32 Avenue des Thermes 
04000 Digne-les-Bains 

Tel. +33 4 92 32 31 04

www.campingleseauxchaudes.com

4. Camping Frédéric Mistral

Ein angenehmer kleiner Campingplatz nur wenige Schritte vom Zentrum von Castellane entfernt. Ideal als Ausgangsort für eine Rundfahrt zu den Gorges du Veron. 

12 Avenue Frédéric Mistral
04120 Castellane

Tel. +33 4 92 83 62 27

camping-frederic-mistral.fr

5. Camping La Paoute

Der großräumige Campingplatz liegt an einem Hang direkt an der Route de Cannes unterhalb von Grasse. Die Plätze sind angenehm groß und mit Hecken parzelliert. Es gibt eine Snackbar, aber das Baguette zum Frühstück muss man sich im nahe gelegenen Supermarkt holen.

160 Route de Cannes
06130 Grasse

Tel. +33 4 93 09 11 42

www.campingqualite.com

6. Camping Les Cigales

Ein sehr schön gelegener Campingplatz auf einem Hügel über Cassis. Das Fahrzeug steht auf einer mit Hecken eingefassten Parzelle. Es gibt einen kleinen Lebensmittelladen und die üblichen Einrichtungen zur Ver- und Entsorgung. Direkt vor dem Platz hält ein Bus, der ins Zentrum fährt. Auf dem Rückweg unbedingt den Fahrer fragen, ob er beim Campingplatz hält. 

43 Avenue de la Marne
13260 Cassis

Tel. +33 4 42 01 07 34

www.campingcassis.com

7. Municipal Les Roches

Saint Croix du Verdon ist ein kleines, malerisches Dorf oberhalb des gleichnamigen Stausees. Der Campingplatz liegt am Fuße des Orts an einem Badestrand und ist terrassenförmig in den Hang gebaut. Morgens bringt der Bäcker Baguette und Croissants frisch aus dem Ofen. Die Sanitäranlagen sind modern und für die Ver- und Entsorgung 
ist ebenfalls gesorgt.

Route du Lac
04500 Ste. Croix du Verdon

Tel. +33 0 820 007 498

www.lesrochesverdon.com

8. Reisemobil-Stellplatz in Sisteron

Wer mit dem Wohnmobil nach Sisteron kommt, sollte nach dem Bahnhof (Gare SNCF) Ausschau halten. Links daneben befindet sich ein großer Parkplatz mit einem speziellen Bereich für zehn Wohnmobile. Von hier aus ist es ein gemütlicher Spaziergang bis zur Altstadt. Vor der Weiterfahrt kann man noch schnell das Fahrzeug ver- und entsorgen. Stromanschluss ist ebenfalls vorhanden. 
An der D4085 beim Bahnhof.

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