Hier geht's zum Teufel

Ostharz

Teufelsmauer, Hexentanzplatz, Rosstrappe! Um Thale ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden. Die Landschaft am nordöstlichen Harzrand ist sagenhaft schön. Zum Wandern, Kuren, Campen und um Kultur zu genießen.

Weite Ebenen, sanft geschwungene Hügel, bizarre Felsformationen, himmelhohe Klippen – der östliche Harzrand bietet landschaftlich große Vielfalt und ein dichtes Netz von Wanderwegen für jeden Anspruch. Dazu kommen zahlreiche kulturelle Attraktionen, denn die wirtschaftliche Entwicklung der Region begann schon vor mehr als tausend Jahren. Über romantischen Fachwerkstädtchen thronende Burgen und Schlösser künden vom einstigen Wohlstand durch Erz- und Kupferbergbau. Heute spielt der Tourismus eine bedeutsame Rolle.

Wir sind mit dem Caravangespann unterwegs und entscheiden uns für Thale als Basis, denn von hier aus kann man sternförmig die Umgebung erkunden: Zu Fuß, per Rad, mit dem eigenen Fahrzeug oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Deren Nutzung ist für Feriengäste kostenlos.

Beim Klostercamping ist dank rechtzeitiger Reservierung unter 99 Stellplätzen noch einer für unseren kleinen Hobby ONTOUR 390 SF frei. Die mehrfach ausgezeichnete Anlage ist gepflegt, liebevoll gestaltet und äußerst beliebt. Sie liegt ruhig im ehemaligen Ortskern in romantischer Nachbarschaft zum Flüsschen Bode und zum mittelalterlichen Kloster Wendhusen.

Weil wir Fahrräder dabei haben, sind wir in wenigen Minuten bei den zweieinhalb Kilometer entfernten Hauptattraktionen in der Oberstadt. Zu Fuß läuft man etwa eine halbe Stunde. Der jüngere Teil Thales schmiegt sich an den Fuß der Berge. Hier zeugen Bahnhof, Kurpark und Villen in unterschiedlichem Renovierungszustand vom Glanz vergangener Zeiten.

Thale war schon vor zweihundert Jahren renommierter Fremdenverkehrsort. Dichter wie Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Theodor Fontane ließen sich hier von der Natur inspirieren. Gleichzeitig avancierte Thale zum Industriestandort. Um 1900 produzierte man hier zehn Prozent des Weltbedarfs an Emaillegeschirr. Auch der Prototyp des Stahlhelms soll hier entwickelt worden sein. Vom Eisen- und Hüttenwerk blieb nach der Wende nur ein Museum. Aber Thale ist nach wie vor ein Touristenmagnet.

Das liegt einerseits am engen Bodetal, das mit bis zu 250 Meter hohen Granitwänden zu den faszinierendsten Felsenlandschaften nördlich der Alpen zählt. Das liegt aber auch an der hervorragenden Infrastruktur, die es heute nahezu jedermann erlaubt, mühelos Bergromantik und beeindruckende Naturlandschaft zu erleben. So führt ein breiter, ebener, nur leicht ansteigender Weg am Ufer der Bode entlang bis zur Gaststätte „Königsruhe“. Selbst mit Kinderwagen oder Rollstuhl dürfte die zwei Kilometer lange Strecke zu bewältigen sein. Der Weg markiert den Anfang des Harzer-Hexen-Stiegs, des rund 100 Kilometer langen Fernwanderwegs zwischen Thale und Osterode. Von der Gaststätte „Königsruhe“ geht es immer am Fluss entlang, streckenweise über steiles und felsiges Gelände. Zunächst bis Treseburg (9 Kilometer) und dann weiter bis Altenbrack (insgesamt 14 Kilometer). Von dort fahren Busse zurück nach Thale.

Thales bekannteste Ausflugsziele sind der mystische Hexentanzplatz und die sagenumwobene Rosstrappe. Der 454 Meter hoch gelegene Hexentanzplatz war einst altsächsische Kultstätte. Heute ist die Hochebene Schauplatz ausgelassener Spuk-Feiern zur Walpurgisnacht am 30. April und von Theateraufführungen im Sommer. Auf der 403 Meter hohen Rosstrappe soll eine Vertiefung im Fels den Hufabdruck eines fliehenden Pferdes nach dem Sprung übers Bodetal markieren. Die Aussicht ist so fantastisch wie die Sage. Man kann sowohl Hexentanzplatz als auch Rosstrappe auf steilen Wegen erwandern, mit Kabinenseilbahn beziehungsweise Sessellift empor schweben oder aber mit Auto oder Linienbus fahren.

Von Thale aus gibt es Dutzende Wandermöglichkeiten. Ein lohnenswertes Ziel ist das sogenannte „Hamburger Wappen“ bei Timmenrode: drei markante Steinzinnen im Verlauf der Teufelsmauer. Natürlich ist die bizarre Felsformation kein Werk des Satans. Die harte Sandsteinschicht hat der Verwitterung nur besser standgehalten als umliegender Fels.

Die Teufelsmauer erstreckt sich auf etwa 20 Kilometern Länge. Ihr südöstliches Ende liegt bei Ballenstedt. Höchste Erhebungen sind hier die Gegensteine, die sich tiefschwarz aus extensiv bewirtschafteten Weideflächen und knorrigen Obstbaumplantagen erheben. Am westlichen Ortseingang Ballenstedts gibt es einen Wegweiser dorthin. Man kann bis zum Fuß der Felsgiganten fahren. An den Gegensteinen vorbei verläuft ein etwa fünf Kilometer langer, landschaftlich schöner Rundweg. Er führt über die an der Landesstraße liegende Roseburg. Der erst im frühen 20. Jahrhundert errichtete Bau mit Zinnen und Wohnturm beherbergt heute ein gemütliches kleines Café und ist von einem bemerkenswerten Park umgeben.

Historisch bedeutungsvoller ist die ehemalige Residenzstadt Ballenstedt. Die Askanier errichteten einen beeindruckenden Schlossbau und prägten von hier aus im Mittelalter maßgeblich die Politik vieler deutscher Regionen. Wer die Askanier waren und wie die letzten Schlossbewohner lebten, ist in Ausstellungen im Südflügel zu erfahren. Der Nordflügel beherbergt ein Filmmuseum und die Krypta einer ehemaligen Klosterkirche. Wunderbar ist die Aussicht von der Terrasse über den Schlosspark, eindrucksvoll die Kastanienallee, die durch das Ortszentrum schnurgerade auf das Schloss zuläuft.

Blankenburg markiert das andere Ende der Teufelsmauer. Wie eine Klinge ragt die unverwüstliche Gesteinsschicht bis in den Ort. Hoch über der an prächtigen Fachwerkbauten reichen Altstadt thront das Große Schloss. Was von weitem imposant wirkt, zeigt sich aus der Nähe stark renovierungsbedürftig. Nach Jahren des Verfalls bemüht sich ein Verein um den Erhalt. Ein Spaziergang um den Palast lohnt – des herrlichen Ausblicks wegen und weil das Große Schloss mit dem tiefer gelegenen Kleinen Schloss, dem weitläufigen Park sowie barocken Schlossgärten ein bemerkenswertes Ensemble bildet. Ein Ausflugsziel von Blankenburg aus ist die Burgruine Regenstein auf 288 Metern Höhe. Auf dem Weg dorthin erinnern Wasserräder an die einstige Regensteiner Mühle. Auch Sandsteinhöhlen rund um den Regenstein sind zugänglich.

Nordwestlich von Blankenburg liegt das prächtige Wernigerode. Der Ort ist mit schönen Fachwerkbauten, pittoreskem Marktplatz und Museen ein nostalgisches Schmuckstück. Das wohl schönste Fotomotiv ist das Rathaus mit seinen Erkern und Holzfiguren. Einblick in die Wohnkultur des Hochadels längst vergangener Zeiten bietet das Schloss. Ursprünglich stand hier eine mittelalterliche Burg. Mehrfach umgebaut gilt der Prachtbau heute als „Neuschwanstein des Nordens“. Vom Großparkplatz Am Anger, der auch Reisemobilen Platz bietet, fährt eine Bimmelbahn hinauf. Wer den höchsten Berg des Harzes auf nostalgische Weise ansteuern möchte, kann den Ausflug in Wernigerode beginnen. Die Schmalspurbahn dampft von hier bis zum Brocken.

Quedlinburg ist mit etwa 1.300 Fachwerkhäusern aus sechs Jahrhunderten und einer Vielzahl von Jugendstilbauten eines der umfangreichsten Flächendenkmäler Deutschlands. Seit 1993 gehört die Stadt zum UNESCO-Welterbe. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist kein einzelnes Gebäude, sondern das beeindruckende Gesamtensemble der Stadt.

Die Besichtigung der Altstadt und ein Streifzug durch die um 1200 (!) erbaute sogenannte Neustadt sind unbedingt empfehlenswert. Auf dem Schlossberg prägen das Schloss und die Stiftskirche St. Servatii die Stadtsilhouette. Das Gotteshaus war jahrhundertelang die Trauungskirche der deutschen Könige und Kaiser und beherbergt den Domschatz. Am Münzenberg errichteten auf den Ruinen eines Klosters einst Tagelöhner, Musikanten und fahrendes Volk ihre winzigen Häuser. Heute wirkt das Arme-Leute- Viertel sehr pittoresk.

Zu Quedlinburg gehören auch die am Harzrand gelegenen Ortsteile Gernrode und Bad Suderode. In Gernrode werden Freunde romanischer Baukunst die mittelalterliche Stiftskirche St. Cyriakus bewundern. Profan – aber ebenfalls spektakulär – ist die Fassade der ehemaligen Uhrenfabrik in Form einer riesigen Kuckucksuhr und das fast zehn Meter hohe, vermutlich weltgrößte Wetterhäuschen (Lindenstraße 7). Ab Gernrode zuckelt außerdem die Selketalbahn in höher gelegene Harzorte.

Zwischen Gernrode und dem benachbarten Bad Suderode gibt es einen kleinen Campingplatz, der sich Kurcamping nennt und dem anspruchsvollen Namen mit seiner parkartigen Anlage samt Ententeich sowie eigenen Badestuben für jeden der zehn Stellplätze unbedingt gerecht wird. Der sympathische Kurort Bad Suderode liegt eingebettet in einem Talkessel auf 240 Metern Höhe. Hier wird schon seit 1826 gekurt. Das natürliche Heilmittel ist eine fluoridhaltige Calciumsole. Heute ist der Stolz des Heilbades das neu errichtete Kur- und Gesundheitszentrum. Unweit davon erhebt sich auf einer Bergkuppe ein hölzerner Aussichtsturm. Von hier aus schweift unser Blick noch einmal über weite Ebenen, sanft geschwungene Hügel, das dichte Blätterdach des Waldes und die hübschen Örtchen am Harzrand. Unser Fazit: Diese Region ist unbedingt eine Reise wert.

Text: Martina Berliner: Fotos: Martina Berliner, Annalena Kolberg, Nico Reischke, Jürgen Meusel

Camping- und Stellplätze im Ostharz

1. Klostercamping Thale

Campingplatz mit 99 teilweise parzellierten Stellflächen auf parkartigem Gelände zwischen historischen Klostermauern und Bode im Altstadtkern. ÖPNV-Anschluss in der Nähe. Etwa 30 Gehminuten bis zum Eingang des Bodetals. Am Platz Brötchenservice, Imbiss. WLAN rund um die Rezeption verfügbar. Geöffnet von Mitte März bis Anfang November.

Wendhusenstraße 3
06502 Thale

Telefon: 03947 63 185

klostercamping-thale.de

2. Kurcamping Harzer Feriengarten Bad Suderode

Durch Hecken parzellierter Campingplatz mit 10 Stellflächen inmitten eines großen Park- und Mischobstgartens in ruhiger Lage am Orts- und Waldrand. Jeder Stellplatz hat ein eigenes Bad mit Dusche und WC. Auf dem Gelände befinden sich eine Ferienhausanlage, ein Tiergarten mit Zwergziegen, Pfauen und Zwerghühnern, mehrere Teichanlagen und Pavillons, Spiel-, Tischtennis- und Volleyballplatz, Kräutergarten, Grillplatz. WLAN an mehreren Hot-Spots im Feriengarten gratis verfügbar. Der nahegelegene Kurort ist in ca. 8 Fußminuten erreichbar. Geöffnet von Ostern bis Oktober.

Am Schwedderberg 30B
06507 Gernrode

Telefon:039485 62 446
Mobil:0170 60 33 861

kurcamping-harz.de

3. Thale: Parkplatz der Thaler Seilbahnen

Großer gebührenfreier Stellplatz ohne jeden Service für 20 Mobile am Ortsrand von Thale auf ebener Asphalt- und Schotterfläche. Kurze Fußwege zum Erlebnispark der Seilbahnen, zum Eingang des Bodetals, zum Bahnhof, Bushaltestellen, Kurpark und Therme. Ganzjährig nutzbar.

An der Hütte 1
06502 Thale

Telefon: 03947 77 68 00

bodetal.de

4. Ballenstedt: Verkehrslandeplatz

Etwa 40 ebene Stellflächen mit Stromanschluss auf dem geschotterten Parkplatz eines Flugplatzes am Ortsrand von Asmusstedt, jederzeit zugänglich außerhalb des Zauns. Sanitäranlagen im umzäunten Bereich, kleine Pforte wird bei Bedarf für Camper offen gelassen. Sehr ruhige Lage mit Blick auf bizarre Felsformation und Flugfeld. Bezahlung im Tower, besetzt von 9 Uhr bis 30 Min. nach Sonnenuntergang. Ganzjährig nutzbar.

Asmusstedt 13
06493 Ballenstedt

Telefon: 039483 215

flugplatz-ballenstedt.de

5. Blankenburg: „An den barocken Gärten“

Gebührenpflichtiger Stellplatz für 5 kleine (!) Reisemobile auf dem Parkplatz eines Kiosks unterhalb des Kleinen Schlosses. Asphaltfläche sehr schräg. Zentrumsnah, ÖPNV-Anschluss am Stellplatz. Brötchenservice, Biergarten, Imbiss, Grillstelle vorhanden, WLAN, Frischwasser, Strom, Entsorgung Grauwasser, WC vor Ort. Ganzjährig nutzbar.

Schnappelberg 2
38889 Blankenburg (Harz)

Telefon: 03944 36 95 53

parkplatz-am-schnappelberg.de

6. Blankenburg: „Am Schnappelberg“

Sechs gebührenpflichtige ausgewiesene Stellplätze mit Stromanschluss für Reisemobile (auch große!) auf dem öffentlichen Busparkplatz in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stellplatz „An den Barocken Gärten“. Eben und gepflastert. Ganzjährig nutzbar.

Schnappelberg 2
38889 Blankenburg (Harz)

Telefon 03944 2898

www.blankenburg-tourismus.de

7. Blankenburg: Stellplatz am Regenstein

Gebührenpflichtiger, gepflasterter großer Parkplatz für 80 Reisemobile und Caravan-Gespanne bei einem Industriegebiet nördlich der Stadt. Container mit Duschen und WC, Frischwasser, Strom, Entsorgung Grauwasser, Fäkaltank am Platz. Ausgangspunkt für Wanderungen zum Kloster Michaelstein (10 Gehminuten) und zur Burgruine Regenstein (15 Gehminuten). Ganzjährig nutzbar.

Am Hasenwinkel
38889 Blankenburg (Harz)

Telefon: 015736 46 52 77

campingregenstein-harz.de

8. Wernigerode: Parkplatz Anger/Schloss

Gekennzeichnete Stellflächen auf Rasengittersteinen an dem großen öffentlichen Pkw- und Busparkplatz am Rande der Innenstadt, an allen Seiten umgeben von Straßen, laut. Sanitäranlagen sowie Ver- und Entsorgung nur zu Öffnungszeiten des Fahrkartenschalters der Schlossbahn 9 -17 Uhr (Nov.-Apr.) Guter Ausgangspunkt zur Besichtigung des zu Fuß erreichbaren historischen Zentrums. Ganzjährig nutzbar.

Halberstädter Straße
38889 Blankenburg (Harz)

Telefon: 03943 60 60 00

wernigerode-tourismus.de

9. Wernigerode: „Am Katzenteich“

Zentrumsnaher, beschrankter, gebührenpflichtiger Stellplatz für 19 Mobile. Befestigt, überwiegend eben. Frischwasser und Strom, Entsorgung und WC vorhanden. Ganzjährig nutzbar.

Am Katzenteich 15
38855 Wernigerode

Telefon: 03943 65 43 58

wernigerode-tourismus.de

10. Wernigerode/Darlingerode, Wohnmobilpark Harzblick

Eingezäunter und beleuchteter, ebener und teilweise begrünter privater Stellplatz in einem Wohngebiet am Ortsrand des Dorfes Darlingerode mit 25 Stellflächen auf Schotter. Strom, Wasser, WLAN verfügbar. Ruhige Lage, familiäre Atmosphäre, Betreiber mit Rat und Tat vor Ort. Guter Ausgangspunkt für Besuche von Wernigerode und Ilsenburg. Ganzjährig nutzbar.

Hinter den Gärten 11
38871 Ilsenburg (Harz)

Telefon: 03943 60 71 33
Mobil: 0163 32 75 222

wohnmobil-harz.de

11. Quedlinburg: Schlossparkplatz, Schenkgasse/ Wipertistraße

Zehn gekennzeichnete Stellplätze mit Stromanschlüssen auf dem beschrankten öffentlichen Parkplatz am Schlossberg. Enge Einfahrt. Wasser und Entsorgung vorhanden. Ebener Grund, einige Plätze nur kurz, werden zuweilen von Pkw zugestellt. Lage mitten in der Altstadt mit schönem Blick auf Schloss und Münzberg. Sehr guter Ausgangspunkt für Stadtbesichtigung. Gebühr wird auch stundenweise abgerechnet. Ganzjährig nutzbar.

Telefon: 03946 90 56 20

quedlinburg.de

12. Quedlingburg, Parkplatz Marschlingerhof

Ruhiger, zentrumsnaher, gebührenpflichtiger Stellplatz auf einem gepflasterten Parkplatz, ausgewiesen für 6 Reisemobile. Benachbarte Busparkplätze werden ebenfalls von Campern genutzt. Einige Stromanschlüsse, Wasser, Entsorgungsstation und WC vorhanden. Ganzjährig nutzbar.

Telefon: 03946 90 56 20

quedlinburg.de

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