Rendezvous mit Mönch und Jungfrau

Berner Oberland

Switzerland

Mit dem Hobby Optima erkundeten wir das Berner Oberland. Eine ideale Art, das Land der berühmten Alpengipfel aus nächster Nähe kennenzulernen.

Die dunklen Augen hinter dem schwarzen Schleier strahlen vor Aufregung. Der Ehemann daneben hält einen Selfie-Stick mit Handy hoch – klick, klick, klick – eine Erinnerung fürs Leben ist im Kasten. Hinter dem Touristenpaar aus dem Orient erstreckt sich das weiß glänzende Band des Aletschgletschers über 22 Kilometer bis zum Horizont in Richtung Wallis. Der Aletsch ist der größte Alpengetscher. Wegen des einmaligen Panoramas sind die beiden Saudis mit der Zahnradbahn durch die Eigernordwand zur Aussichtsstation „Top of Europe“ – früher einfach Jungfraujoch genannt – auf 3454 Meter Höhe geruckelt. In nur zweieinhalb Stunden überwindet die Bahn fast 3000 Höhenmeter – ganz bequem ab Bahnhof Interlaken. Bei eisigen Temperaturen kämpfen dort oben verschleierte Araberinnen mit FlipFlop tragenden Indern und kamerabewaffneten Japanern um die besten Plätze auf der Aussichtsterrasse zwischen Mönch und Jungfrau. Danach kann in den unteren Stockwerken edel geshoppt und gut gegessen werden.

Impressionen

Vier wichtige Aspekte zeichnen das Berner Oberland aus: Zum ersten ist es die kolossale Landschaft. Das beeindruckende Trio aus Eiger, Mönch und Jungfrau bildet den Alpenhauptkamm. Lange Zeit waren die Berge eine unüberwindbare Mauer auf dem Weg nach Süden. Im tief eingeschnittenen Lauterbrunnental rauschen die höchsten Wasserfälle der Schweiz in die Tiefe, weiter unten im Tal können Mutige im kühlen Brienzer- oder Thunersee baden.

Zum zweiten ist die touristische Infrastruktur einzigartig. Auf fast jeden Berg fährt eine historische Bahn, eine Gondel oder der Postbus. Erwähnenswert sind die Brienzer Rothorn Dampfbahn und die Schilthorngondel zum Piz Gloria Drehrestaurant. Schon James Bond benutzte sie Ende der 60er Jahre im Agententhriller „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Zum dritten ist die Gegend ein Mekka des internationalen Tourismus. Asiaten und Araber stellen heutzutage in den Sommermonaten das größte Kontingent und entsprechend verändert sich das Straßenbild in dieser Jahreszeit.

Das Berner Oberland ist aber auch ein Tourismusgebiet der ersten Stunde: Bereits im Jahr 1830 wurde eines der ältesten Berghotels der Schweiz auf dem Faulhorn-Gipfel erbaut. Die erste Schweizer Luftseilbahn stand 1908 am Wetterhorn, und heute kann man mit der längsten Gondelbergbahn der Welt auf den Gipfel des Männlichen gelangen. Schon im 19. Jahrhundert zeigten sich die Oberländer recht marketingerfahren. Sie tauften den damaligen Weiler Aaremühle kurzerhand in Interlaken um, damit die neu hinzugekommenen englischen Touristen den Ortsnamen aussprechen konnten. Die Bezeichnung Interlaken (zwischen den Seen) wurde übrigens von einem nahen Kloster übernommen. Zum Vierten ist ein Schweiz-Aufenthalt nicht gerade günstig. Wer jedoch mit dem Caravan oder Reisemobil unterwegs ist, kann dem hohen Frankenkurs durchaus ein Schnäppchen schlagen. Man ist schließlich nicht auf teure Restaurants und Hotels angewiesen. Und öffentliche Verkehrsmittel kann man zum Teil umsonst benutzen oder man erwirbt eine günstige Wochen-, Familien- oder Kombikarte.

Die Jungfraubahn auf dem Weg zur Scheidegg, Wanderer vor der Kulisse von Mönch und Jungfrau, Rafting-Abenteurer auf einem Wildwasserfluss.

Klettern, Gleitschirmfliegen, Wandern, Wildwasserpaddeln – abenteuerlichen Urlaubserlebnissen sind im Berner Oberland keine Grenzen gesetzt. Aber es geht auch ganz gemütlich per Gondel auf die berühmten Schweizer Berggipfel.

Interlaken ist ein Zentrum der internationalen Abenteuersportszene und lockt vor allem junge Leute an. Canyoning, Rafting, Alpinismus jeder Art und die allzeit am Himmel sichtbaren Tandem-Gleitschirme gehören zum Angebot. Zugleich ist Interlaken auch Drehscheibe und Ausgangspunkt für viele andere Aktivitäten im Berner Oberland. Züge, Schiffe und Busse starten von hier in alle Richtungen. Viele schätzen auch die umfangreichen Shopping-Möglichkeiten in den Markengeschäften.

Brienzer- und der Thunersee können mit historischen Raddampfern befahren werden. Schöne Dörfer wie Iseltwald und Spiez liegen an den Ufern. Verbunden sind beide Seen durch einen Kanal, der Interlaken teilt. Leider sind die Wassertemperaturen auch im Sommer recht frisch und daher nichts für „Warmduscher“. Am südlichen Ende des Thunersees liegt die Stadt Thun, Tor zum Oberland und alter Handelsplatz. Durch das historische Stadtzentrum mit Cafés und Geschäften fließt die Aare. Am nördlichen Ende des Brienzersees liegt das Dorf Brienz. Interessant ist das nahe Bauernmuseum, das sehr anschaulich die früheren Lebensumstände der Oberländer zeigt.

Eiger, Mönch und Jungfrau bilden die gigantische Kulisse für Wanderer und Kletterer, die Grindelwald und Lauterbrunnen als Ausgangspunkte ihrer Unternehmungen wählen. Im Lauterbrunnental donnern die höchsten Wasserfälle der Schweiz bis zu 300 Meter tief von den Steilwänden herab. Im autofreien Mürren, das sich auf einer Felsstufe fast 1000 Meter über dem Tal befindet, kann man die Gondel zum Schilthorn nehmen und von dort die fantastische Aussicht auf den Alpenhauptkamm genießen.

Die bis 750 Meter hohen Steilwände des Lauterbrunnentals sind auch ein beliebter Startpunkt der so genannten Base-Jumper in ihren vogelartigen Wingsuits (Flügelanzügen). Von Grindelwald aus kann man die Firstbahn benutzen und das Faulhorn erklimmen, vom Nachbarort Wengen auf der anderen Seite des Lauterbrunnentals mit der Bahn zur Kleinen Scheidegg fahren und zum Eiger wandern oder die Zahnradbahn zum „Top of Europe“ nehmen.

Das Saanenland mit dem Ort Gstaad liegt im Süden des Berner Oberlandes. Hier verbrachten Promis wie Gunther Sachs, Elizabeth Taylor und Bernie Ecclestone ihre Ferien. Entsprechend ausgerichtet sind die Hotels, Geschäfte und Restaurants. Die Gegend wartet aber auch mit guten Campingplätzen und Wanderrouten auf. So zählt Zweisimmen im Simmental zu den weniger glamourösen Adressen und ist daher für etwas bescheidenere Ansprüche ideal.

Text und Fotos: Ingolf Pompe

Camping im Berner Oberland

Im Berner Oberland gibt es zahlreiche Campingplätze. Vier schöne Anlagen haben wir auf unserer Reisemobil-Tour mit dem Hobby Optima besucht.

Ein Verzeichnis mit Campingplätzen im Berner Oberland (auch als Download- PDF) bietet das Portal www.campingberneroberland. ch. Es Informiert außerdem über Mautgebühren und Fahrradrouten. Touristische Informationen gibt es im Internet unter www.berneroberland.ch.

1. Camping Wang

Der wunderbare, kleine Campingplatz am längsten Straßendorf der Schweiz mit Panoramaaussicht liegt rund 13 Kilometer von Interlaken entfernt.

CH-3803 Beatenberg

Tel. 0041 0338 412 105

www.naturpur.ch

2. Camping Jungfrau

Großer, gut gemanagter internationaler Campingplatz direkt an den Staubbachfällen mit Laden und Restaurant.

CH-3822 Lauterbrunnen

Tel. 0041 338 562 010,

www.campingjungfrau.swiss

3. Camping Vermeille

Netter Ganzjahres-Campingplatz mit Pool.

CH-3770 Zweisimmen

Tel. 0041 033 722 19 40

www.camping-vermeille.ch

4. Camping Eigernordwand

Der kleine, idyllische und gut ausgestattete Campingplatz liegt am Ortsrand am Fuße der Eigernordwand.

CH-3818 Grindelwald

Tel. 0041 033 853 12 42

www.eigernordwand.ch

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