Tiefe Fjorde und hohe Berge

Fjordland

Norway

Das Fjordland in Westnorwegen gehört zu den schönsten Reisezielen Europas. Grandiose Landschaften, spektakuläre Fjorde, Hochebenen, Gletscher, Täler, hohe Berge und freundliche Städte prägen die Region. Wir haben sie auf einer Rundreise mit dem Wohnmobil kennengelernt

Impressionen

Ganz entspannt ist die nächtliche Überfahrt mit der Fjord-Line-Fähre vom dänischen Hafen Hirtshals nach Stavanger. Gut ausgeschlafen rollt man in Norwegen von Bord und beginnt seine Fjordland-Tour. Dafür sollte man drei Wochen veranschlagen, denn die Region ist ausgesprochen vielfältig. Es lohnt sich daher, den ein oder anderen längeren Stopp einzuplanen. Etwa um eine Wanderung durch die herrliche Berglandschaft zu machen oder in aller Ruhe eine der schönen Städte an den Fjorden zu erkunden.

Der steil über dem Lysefjord aufagende Felsen Preikestolen zählt zu den Top-Attraktionen der grandiosen Fjord- und Gebirgslandschaft Westnorwegens. Sehenswert sind auch die schönen Altstadthäuser in Stavanger

Unsere Tour gliedert sich in fünf Etappen. Startpunkt ist die Ölmetropole Stavanger, Endpunkt die alte Hansestadt Bergen. Jede der fünf Regionen beeindruckt durch einzigartige Landschaften und Attraktionen. Das macht die Reise durch Norwegens Westen so facetten- und abwechslungsreich.

Stavanger und Preikestolen: Zu Beginn unserer Rundreise fahren wir nur wenige Kilometer, denn die Ölmetropole Stavanger steht zunächst auf dem Programm. Stavanger ist nach Oslo, Bergen und Trondheim mit rund 133.000 Menschen die viertgrößte Stadt des Landes. Sie beeindruckt durch ihr lebhaftes Zentrum und ihre Altstadt mit den weißen Holzhäusern, dem Dom und den bunten Speicherhäusern. Natürlich sollte auch der Besuch des Erdöl- und Erdgasmuseums auf der Sightseeing-Liste stehen. Schließlich verdankt Norwegen dem „Schwarzen Gold“, dass es zu den reichsten Ländern der Welt gehört. Nach der ausführlichen Stadtbesichtigung mit Kulturprogramm steuern wir den Lysefjord an, wo eine spannende Wanderung zum spektakulären Felsen Preikestolen ansteht. Über sechs Stunden Kondition sollte man verfügen, denn der Wanderweg über 350 Höhenmeter zum weltberühmten Felsen ist eine Herausforderung. Belohnt wird die Mühe mit einem grandiosen Ausblick über den Lysefjord. Der Preikestolen erhebt sich lotrecht 600 Meter am Nordrand des Fjords. Die weitere Strecke führt durch die Provinz Rogaland an kleinen und großen Fjorden vorbei. Nette Rastplätze und Badebuchten laden immer wieder zu Pausen ein. Und die gepflegten Dörfer mit ihren hübschen Holzhäusern bieten Hobby-Fotografen viele schöne Motive. Auf den ersten Etappen unserer Route stellen die Fjorde die herausragenden landschaftlichen Attraktionen dar. In der 2,5 Millionen Jahre andauernden Eiszeit haben mächtige Gletscher die spektakuläre norwegische Fjordlandschaft geschaffen. Durch ständiges Vor- und Rückschreiten der Eismassen entstanden die imposanten, tief in die Felsen eingeschnittenen Fjorde. Nach einem Stopp in der Industriestadt Odda führt die Route an der östlichen Uferseite des langgestreckten Sørfjords vorbei. Die Straße verläuft oberhalb der zahlreichen Obstplantagen. Der Sørfjord ist ein Nebenfjord des 179 Kilometer langen Hardangerfjords, der für den Anbau von Äpfeln und Kirschen bekannt ist. Nach dem Sørfjord passiert man den Ort Eidfjord und verabschiedet sich vorerst von den Fjorden.

Über die Hardangervidda bis Jotunheimen: Es geht hinauf auf die Hardangervidda, der größten Hochebene Europas. Hier sollte man unbedingt Zeit zum Wandern einplanen. Der so genannte „Eventyrvegen“ (Abenteuerstraße) führt beispielsweise an der Touristenhütte Fagerheim vorbei. Sie ist ein guter Ausgangspunkt, um einen winzigen Teil der rund 7400 km² großen Hardangervidda auf Schusters Rappen zu entdecken. Die Ruhe ist hier oben ebenso einzigartig wie der Weitblick. Große Teile wurden als Nationalpark Hardangervidda unter Naturschutz gestellt. Die abwechslungsreiche Tour führt weiter durch das Inland zum Wintersportort Geilo. In Torpo und Gol sind die alten Stabkirchen sehenswert. Und auf dem Golfjell kommen erneut Wanderer auf ihre Kosten. Danach erreicht man das reizvolle Tal Valdres mit dem netten Städtchen Fagernes. Es bietet ein Freilichtmuseum mit historischen Gebäuden aus der Region. Die nächste kurze Etappe führt über die Reichsstraße 51 bis zur Hochgebirgsregion Jotunheimen. Hier ist der Berg Galdhøpiggen mit 2469 Metern die höchste Erhebung Skandinaviens. Im östlichen Teil des ebenfalls zum Nationalpark erklärten Hochgebirges ist die Wanderung auf dem Grat Beseggen vorbei am Gjendesee geradezu ein Muss. Der Blick auf die Bergseen, die großen Schotterflächen, das Bergpanorama und die passierenden Rentiere sind ein einzigartiges Erlebnis. Nach der Wanderung bietet sich Randsverk Camping zum Übernachten an. Er ist
ein typisch norwegischer Campingplatz mit nicht parzellierten Stellplächen, Kiosk, Caféteria und gutem Sanitärgebäude. Die Route führt im weiteren Verlauf durch das Ottadal nach Lom. Highlights des Ortes sind das Fjellmuseum, die Stabkirche sowie die beeindruckende Dorfbäckerei.

Die Jugendstil-Stadt Ålesund erstreckt sich über mehrere Inseln. In Geiranger ankern die Kreuzfahrer direkt vor dem Campingplatz.

Von Geiranger bis Ålesund: Richtung Westen erreichen wir wieder das Fjordland und mit dem Geirangerfjord den berühmtesten Fjord des Landes. Wenn man über die Serpentinenstraße hinunter in das 250-Seelen-Dorf fährt, traut man zunächst seinen Augen nicht, denn in dem winzig anmutenden Fjord liegen große Kreuzfahrtschiffe. Am besten checkt man auf einem der beiden Campingplätze ein, genießt den Blick auf die Ozeanriesen und unternimmt einen Rundgang. Über viele Stufen geht es hinauf und über einen Wasserfall zum Fjordmuseum. Wenn die zahlreichen Passagiere ausgebootet werden und in Geiranger viel Trubel herrscht, verlässt man den Ort gern Richtung Åndalsnes, einem weiteren schönen Städtchen im Fjordland. Die  Route führt zunächst durch das Valldal, in dem Erdbeeren angebaut werden und danach über den legendären, bereits 1936 eröffneten Trollstigen mit seinen elf Haarnadelkurven. Am Ufer des Romsdalsfjords geht es weiter nach Ålesund. Das Stadtzentrum verteilt sich auf mehrere Inseln. Ein Stellplatz steht direkt im Zentrum zur Verfügung. Nachdem im Jahre 1904 ein Großteil der Stadt niederbrannte, erfolgte der Aufbau im Jugendstil. Farbenfrohe Häuser mit Erkern, Rundbögen und Ornamenten prägen daher das heutige Stadtbild. Wie es in einem typischen Jugendstilhaus aussieht, zeigt das Jugendstilzentrum. Ebenfalls nicht versäumen sollte man den Blick über Ålesund vom 190 Meter hohen Hausberg Aksla, auf den 418 Stufen hinaufführen.

Vom Westkap bis zu den Gletschern: Auf dem weiteren Weg nach Süden bleibt man stets auf „Tuchfühlung“ mit den Fjorden. Oft treiben große Netzkäfige im Wasser, in denen Lachse gezüchtet werden. Denn die Aquakultur – also die Fischzucht in den Fjorden – ist heutzutage eine lukrative Einnahmequelle. Mit Nordfjordeid erreicht man wieder eine Stadt mit makellosen weißen Holzhäusern. Nordfjordeid ist auch bekannt für die schönen Fjordpferde, die hier gezüchtet werden. Ein herrliche Ausflug (aber bitte ohne Wohnwagen!) führt von hier aus zum Westkap (Vestkapp) am nördlichen Ende der Halbinsel Stadlandet. Von Nordfjordeid fährt man in östliche Richtung am See Hornindalsvatnet entlang. Er ist mit einer Tiefe von 514 Metern der tiefste See Europas. Auf dieses Highlight folgt nach wenigen Kilometern das nächste: Via Stryn, Loen und Olden und vorbei am See Oldevatnet mit vielen Campingplätzen erreicht man das Dorf Briksdal. Von dort führt eine einstündige Wanderung zur Gletscherzunge Briksdalsbreen. Sie gehört zum riesigen Plateaugletscher Jostedalsbreen, dem größten Gletscher auf dem europäischen Festland. Da auch in Norwegen die Gletscher infolge des Klimawandels schmelzen, wird leider auch der Briksdalsbreen immer kleiner. Nach dem Gletschererlebnis geht es zurück nach Olden und man fährt über die Reichsstraße 60 und die Europastraße 39 bis zum Sognefjord zum Fähranleger Lavik. Per Schiff geht es mit dem Reisemobil oder dem Gespann auf die Fähre, die uns ans andere Ufer bringt. Der Sognefjord ist Norwegens längster und tiefster Fjord. Rund 200 Kilometer schlängelt sich der bis zu 1308 Meter tiefe Meeresarm landeinwärts.

Die Hansestadt Bergen: Nach der Überfahrt ist es noch etwas mehr als eine Autostunde auf der E39 bis zur Hansestadt Bergen, dem Ziel unserer Rundreise durch das Fjordland. Für die vielseitige, zweitgrößte Stadt Norwegens sollte man ausreichend Zeit einplanen. Bei der Stadtbesichtigung einer der schönsten Städte Skandinaviens darf der Regenschirm nicht fehlen, denn Bergen gehört zu den regenreichsten Städten Europas. Am besten gönnt man sich die „BergenCard“ und genießt so die vergünstigten oder kostenlosen Eintritte in viele Museen, Attraktionen und historische Bauwerke. Die faszinierendsten Gebäude sind die schiefen, farbenfrohen Holzhäuser Bryggen (UNESCOWeltkulturerbe), in denen im 14. Jahrhundert die deutschen Hansekaufleute residierten. Nicht minder interessant sind der Fischmarkt, das Aquarium, das Hansemuseum, das Fischereimuseum und das Kunstmuseum. Einen Höhepunkt der Stadtbesichtigung stellt im wahrsten Sinne des Wortes der Berg Fløyen dar. Mit der Seilbahn geht es hinauf auf den 320 Meter hohen Gipfel. Der Ausblick ist fantastisch, insbesondere wenn Kreuzfahrtschiffe festgemacht haben. Lässt man seinen Blick schweifen, erkennt man in der Ferne die vielen vorgelagerten Inseln. Bleibt am Ende der Reise noch Zeit, sollte man auf das „Insel-Hopping“ nicht verzichten. Dabei geht es von einer kleinen Insel zur nächsten, bis man das idyllische Eiland Hellesøy erreicht. Die Fähre von Fjordline bringt uns und unser Reisemobil schließlich von Bergen zurück nach Hirtshals in Dänemark.

Reisen und campen in Norwegen

Fährverbindungen: Die komfortablen Fähren von Fjord Line verbinden Hirtshals in Nordjütland mit Stavanger und Bergen. Es ist ratsam, frühzeitig zu buchen. Da es sich um eine Nachtfahrt handelt, muss auch eine Kabine gebucht werden. Es stehen unterschiedliche Kabinen zur Verfügung. Gut ist das gastronomische Angebot an Bord. Weitere Infos www.fjordline.com


Mautgebühren: In Norwegen sind einige Streckenabschnitte, Tunnel oder Brücken mautpflichtig. Die Maut wird hierbei automatisch erfasst. Dabei wird das Kennzeichen gescannt und Monate nach dem Aufenthalt erhält der Reisende eine Gesamtrechnung, die meist weitaus geringer ausfällt als gedacht. Nähere Infos unter www.autopass.no


Verkehrsbestimmungen: Die Höchstgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften beträgt 50 km/h, außerhalb 80 km/h und auf Schnellstraßen und Autobahn 90 km/h (Gespanne 80 km/h). Die Promillegrenze liegt bei 0,2. Elchwarnschilder sollte man generell ernst nehmen. Die Polizei erreicht man unter 112. Informationen: Hilfreiche Links sind: www.visitnorway.com, www.norwegen-camping.com, www.reisemobil-routen.de, www.skandinavien.de


Stell- und Campingplätze: In Norwegen stehen ausreichend Campingplätze und zunehmend auch Reisemobil-Stellplätze zur Verfügung. Die Übernachtungspreise sind erschwinglich. Stellplätze sind insbesondere an den Marinas und in den Großstädten eingerichtet worden. Camping abseits der Stell- und Campingplätze ist nicht erlaubt. Viele Hinweisschilder – insbesondere an Rast- und Parkplätzen – weisen auf das verbotene Wildcamping hin. Leider kommt es durch die massenhaften Missachtungen immer wieder zu Problemen. Das oft zitierte Jedermannsrecht richtet sich an nichtmotorisierte Touristen (Wanderer und Radfahrer), die abseits von Privatgrundstücken ihr Zelt aufstellen dürfen. Infos über Campingplätze liefert www.camping.no

1. Stavanger Camping Mosvangen

liegt am kleinen See Mosvatnet,
rund 2 Kilometer vom Zentrum entfernt:

www.stavangercamping.no

2. Stellplatz Jørpeland

bietet ebene Stellflächen und liegt an der Marina im Zentrum von Jørpeland:

Vågabakken,
4100 Jørpeland

3. Preikestolen Camping

liegt rund 5 Kilometer außerhalb von Jørpeland. Ein guter Ausgangspunkt, um eine Wanderung zum Preikestolen zu unternehmen:

www.preikestolencamping.com

4. Stellplatz Odda

Der Küstenort verfügt über einen großen Stellplatz direkt am Fjord. Hier steht man zentrumsnah auf ebenen Asphaltflächen mit Blick auf den Sørfjord:

www.oddacamping.no

5. Sæbo Camping

befindet sich einige Kilometer östlich vom Küstenort Eidfjord am See Eidfjordvatnet. Zum Hardangervidda Naturcenter sind es nur wenige hundert Meter:

www.saebocamping.com

6. PlusCamp Gol

am Rande von Gol gehört sicherlich zu den besten des Landes. Der ganzjährig geöffnete Vier-Sterne-Platz mit Freibad ist hervorragend ausgestattet:

www.golcamp.no

7. Fagernes Campingpark

liegt am Ortsrand direkt am See. In der Nachbarschaft befindet sich das Freilichtmuseum:

www.fagernescampingpark.no.fr

8. Randsverk Camping

an der Reichsstraße 51 – östlich der Hochgebirgsregion Jotunheimen – ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge:

www.randsverk.no

9. Nordal Turistsenter

im Herzen von Lom im Ottadal ist nur wenige Schritte von der sehenswerten Stabkirche entfernt:

www.nordalturistsenter.no

10. Geiranger Camping

liegt mitten im Ort. Direkt am Fjord steht man auf einer ebenen Rasenfläche des Campingplatzes und blickt auf die Kreuzfahrtschiffe:

www.geirangercamping.no

11. Åndalsnes Camping og Motell

am Fluss Rauma liegt rund 1,5 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt:

www.andalsnes-camping.net

11. Stellplatz Ålesund

Am Rande der Altstadt direkt am Fjord gelegen steht das Reisemobil auf ebenen Asphaltflächen. Der Platz verfügt über Ver- und Entsorgung sowie Sanitäreinrichtungen:

Sorenskriver Bullsgate 33,
6002 Ålesund

13. Camping Selje

ist ein guter Ausgangspunkt für einen Ausflug zum Westkap am Rand des Küstenortes Selje:

www.seljecamping.no

14. Briksdals Stellplatz

liegt neben dem Berggasthof Briksdalsbre Fjellstove. Zur Gletscherzunge wandert man rund eine Stunde:

www.briksdalsbre.no

15. Jølster Panorama Camping

erstreckt sich am Ufer des malerischen Jølstrasees:

www.jolsterpanorama.no

16. Bergen

Der Stellplatz der Hansestadt Bergen liegt direkt an der Eishalle Bergenshalle, rund sieben Kilometer vom Zentrum entfernt. Mit Öffentlichen Verkehrsmittel oder mit dem Fahrrad gelangt man in die Innenstadt:

Vilhelms Bjerknes
Vei 24, 5081 Bergen

17. Lone Camping

befindet sich etwa 19 Kilometer östlich von Bergen. Er liegt ruhig am See und bietet 250 Stellplätze:

www.lonecamping.no

Artikel als PDF