Elsass

Das Beste aus zwei Welten

France

Lange Zeit ein Zankapfel zwischen Deutschen und Franzosen ist das Elsass heute ein friedlicher Landstrich, der das Beste beider Lebensarten wohltuend vereint. Davon profitieren vor allem Touristen.

Impressionen

Der Besitzer von Camping du Fleckenstein unterhalb der gleichnamigen Burg sprach zwar ein Deutsch mit unüberhörbar französischem Beiklang. Doch als Frankreich wollte er das Elsass eigentlich nicht sehen. 

„Das ist nicht Frankreich“, meinte er und ergänzte: „Sie sind hier im Elsass.“ Was man gut nachvollziehen kann, wenn man einen Blick auf die Geschichte dieser Region wirft. Mal waren die Elsässer deutsch, dann wieder französisch, dann wieder deutsch und am Ende war es ihnen egal. 

Auch wenn die Nationalität im Elsass eher locker gesehen wird, in einem Punkt denkt man hier ganz französisch. Wer abends essen gehen will, sollte wissen, dass in den besseren französischen Restaurants abends nur einmal serviert wird. „Für Lembach sind Sie jetzt schon zu spät“, lautete daher die Antwort, als wir nach einem guten Restaurant in der Gegend fragten. Es war nämlich schon nach acht Uhr und damit für Franzosen eine unmögliche Zeit, um noch ein Restaurant zu finden. Aber oben, im Gimbelhof direkt neben der Burg, sieht man das nicht so eng, erfuhren wir und tatsächlich, die junge Frau am Tresen legte ein gutes Wort für uns in der Küche ein. Auf der Speisekarte stand zum Beispiel Baeckeoffe, der typisch elsässische Eintopf aus Fleisch, Kartoffeln und Lauch. 

Wir landeten an einem der langen Tische, an denen sich die Einheimischen bereits mit dem Dessert beschäftigten und dabei lebhaft in einer Sprache miteinander redeten, die uns manchmal französisch und manchmal irgendwie deutsch erschien. Nein das schien irgendwie doch nicht so richtig Frankreich zu sein. 

Straßencafé
Straßencafé im schönen Wissembourg

Malerische Städte, gutes Essen, edle Weine

Die Namen der zahlreichen Weindörfer klingen alles andere als französisch. Lediglich bei den Städten hat man sich die Mühe gemacht, dem ursprünglich deutschen Namen zumindest eine französische Schreibweise zu verleihen. Und so heißt eben das ehemalige Weißenburg heute Wissembourg . In der malerischen Grenzstadt entdeckten wir auch das nette Restaurant, das direkt über ein kleines Flüsschen gebaut wurde und vom Bruch-Viertel mit seinen hübsch herausgeputzten Fachwerkhäuschen umgeben wird. Ein Zeugnis deutsch-französischer Geschichte sahen wir uns am nächsten Tag an. Fort de Schoenenburg sei die am besten gepflegte Befestigungsanlage der einstigen Maginot-Linie, hatte man uns am Campingplatz gesagt. Ein eindrucksvolles Denkmal für die Idiotie des Krieges, das mit einem gewissen sportlichen Ehrgeiz erobert werden will. 280 Kilometer lang sind die unterirdischen Gänge der Maginot-Linie, die eine Kaserne mit allem drum und dran erschließen. Hier in 30 Metern Tiefe ist es konstant 13 Grad kühl. Gut, dass wir trotz frühsommerlicher Temperaturen eine Jacke dabei hatten. 

Die nach dem französischen Verteidigungsminister André Maginot benannte Befestigungsanlage wurde von 1930 bis 1940 gebaut, um sich vor den bösen Deutschen zu schützen. Danach wurde sie zum „Westwall“ und sollte die Alliierten abhalten. Doch so richtig gekämpft wurde hier eigentlich nie. Dafür prägen die hässlichen Betonruinen der Maginot-Linie noch heute die Landschaft vor allem im nördlichen Elsass. 

Befestigungsanlagen
Die gut erhaltenen Befestigungsanlagen der Maginot-Linie sind ein eindrucksvolles Beispiel für den Irrsinn des Krieges
Touristen
Touristen lieben es, durch das historische Strasbourg mit seinen edlen Geschäften rund um das Münster zu flanieren

Der schönste Ausgangsort zur Besichtigung der elsässischen HauptstadtStrasbourg ist der Campingplatz Kehl-Straßburg auf der deutschen Seite des Rheins. Von hier aus sind es auf bestens ausgebauten Radwegen gerade mal sieben Kilometer bis zum Münster. Spätestens auf der spektakulären Rad- und Fußgängerbrücke über den Rhein wird einem deutlich, dass es zwischen den einstigen Erbfeinden Deutschland und Frankreich heute eigentlich keine Grenze mehr gibt.

Das Münster ist natürlich ein Muss. Genauso wie ein Blick von der Aussichtsplattform, die über gefühlte tausend Stufen erklommen werden will. Auf dem Domplatz sind die Touristen aller Länder unter sich. Doch schon wenige Schritte genügen und man ist in einer der zahlreichen ruhigen Seitenstraßen und hat das Gefühl, mitten in Frankreich zu sein. Wären da nicht die zweisprachigen Straßenschilder, die unmissverständlich darauf hinweisen, dass hier jede Rue früher einmal eine Straße war. Zum Beispiel in Petite France, dem einstigen Gerberviertel an der Ill mit seinen schwarz-weißen Fachwerkhäusern und engen Gässchen, wo es sich so herrlich schlendern, gucken und direkt am Wasser speisen lässt.

„Möge die Hohkönigsburg hier im Westen des Reiches als ein Wahrzeichen deutscher Kultur und Macht bis in die fernsten Zeiten erhalten bleiben“, sagte einst Kaiser Wilhelm II. Nun ja, Größe ist vergänglich. Heute nennt sich die wehrhafte Burg Château du Haut-Kœnigsbourg und gilt als das am häufigsten besuchte Nationaldenkmal Frankreichs. Die bestens gepflegte Burg­anlage bietet nicht nur einen lebhaften Einblick in das, was man in früheren Zeiten Luxus nannte. Von hier aus hat man auch einen grandiosen Überblick über das südliche Elsass weit über das Rheintal bis zur dunklen Silhouette des Schwarzwalds. Man kann sie gar nicht alle besuchen, die malerischen Städte, die besonders das südliche Elsass ausmachen. Wir entschieden uns für Colmar , parkten den Hobby an der Rue Turenne und fanden uns unmittelbar vor einem kleinen Weinhandel wieder. Dort wurden natürlich die typischen Weine der Region angeboten – vom Edelzwicker über den Gewürztraminer bis zum Muskat. Doch was unsere Neugier weckte, war ein original Elsässer Single Malt Whisky. Der Besitzer des Ladens erwies sich als wahrer Kenner der Materie und wir konnten einfach nicht anders, als sein Angebot heimischer Whiskys zu probieren, die ihre ganz besonderen Geschmacks­nuancen der Tatsache verdanken, dass sie mehrere Jahre in einem Riesling oder Pinot-Noir-Fass zugebracht haben. Es mag den Puristen zwar verwundern, aber sie machen sich ausgesprochen gut zwischen den traditionellen Single Malts aus Irland oder Schottland. Das Altstadtviertel von Colmar heißt Petite Venice und ist zumindest einen Rundgang wert. Wer einen Blick auf die kulinarischen Köstlichkeiten der Region werfen will, sollte sich in der nahe gelegenen Markthalle umsehen. Wir stolperten über einen kleinen Wurstladen direkt an dem Flüsschen Lauch, wo es herrliche luftgetrocknete Saucisson gab. Mehr als ein frisches Baguette und einen guten Roten brauchten wir an diesem Abend nicht für ein „französisches“ Abendessen. 

Spezialitaeten
Die Boulangeries und Pâtisseries sind typisch französisch

Der Munster-Käse war uns zwar schon im Supermarkt aufgefallen, doch erst in der Maison du Fromage im Münstertal lernten wir, das Munster nicht gleich Munster ist. Das Museum hatte gerade erst eröffnet und vermittelte interessante Einblicke in die traditionelle Käseproduktion und das Leben in den Vogesen.

Beinahe hätten wir das Centre de Reintroduction zwischen Ribeauville und Riquewihr übersehen, wären da nicht die zahlreichen Masten gewesen, die jeweils von einem großen Storchennest gekrönt wurden. Da wir mit dem Reisemobil Ende Mai unterwegs waren, war hier ordentlich viel los, denn unzählige weiße Storchenpaare waren pausenlos damit beschäftigt, die hungrigen Schnäbel der nächsten Generation zu füttern.

Am nächsten Tag sahen wir noch mehr davon. Im Ecomusee d' Alsace hat man Dutzende alter Häuser aus dem ganzen Elsass zusammengetragen und neu aufgebaut, um einen lebendigen Eindruck vom ländlichen Leben über die Jahrhunderte zu vermitteln. Und wie es in früheren Zeiten wohl üblich war, thronte fast auf jedem Hausgiebel ein majestätisches Nest und ein ständiges Klappern machte deutlich, dass Adebar wieder im Kommen ist.

Die Vogesen sind ein beeindruckendes Mittelgebirge, durch das sich viele gut ausgebaute Straßen winden. Einen guten Überblick erhält man vom kahlen Buckel des Grand Ballon . Eine schöne Tagestour ist die Fahrt über die Route des Cretes, besser bekannt als Vogesen-Hochstraße. Diesen Umweg gönnten wir uns, um vorbei am Lac Noire und dem Col de la Schlucht in Kaysersberg zu landen. Der malerisch herausgeputzte Ort ist einer der Einstiegspunkte in die Route des Vins d'Alsace, die sich durch unzählige Weindörfer nach Norden schlängelt. Wo die Trauben heranwachsen, die man in dieser gesegneten Region zu einem Muscat, Gewürztraminer oder Cremant zu veredeln weiß, lässt sich am besten von der Burg über dem Ort aus überblicken.

Probiert haben wir sie alle und haben mir unseren Einkäufen vermutlich die Zuladung des Reisemobils an seine Grenzen gebracht. Zumindest lag der Hobby Siesta ziemlich satt auf der Straße, als wir am letzten Tag unserer kurzen Erlebnistour durchs Elsass wieder die deutsche Autobahn unter den Rädern hatten.

Text: Stephan E. Wolf, Fotos: Jürco Börner

Campingplätze an der Route

Die Entfernungen zwischen den einzelnen Orten und Attraktionen sind gering, die Strecken kurz. Das macht das Elsass zu einem idealen Ziel für eine abwechslungsreiche Reisemobil-Tour und ebenso für einen Caravan-Urlaub. Denn den Wohnwagen kann man auf einem Campingplatz zurücklassen, während man bequem mit dem Zugwagen zu Ausflügen aufbricht.

Camping du Fleckenstein

Camping du Fleckenstein
Camping du Fleckenstein

Ein ruhiger, naturbelassener Campingplatz in den Nordvogesen weit außerhalb von Lembach. Eignet sich ideal als Basis zur Erkundung des nördlichen Elsass.

www.ot-lembach.com

Camping la Route Verte

Direkt an der Route du Fromage unweit von Munster gelegen ist dieser Platz optimal zur Erkundung des südlichen Elsass und der Vogesen. Man steht in einem gepflegten kleinen Park und hat es nur wenige Schritte bis zur nächsten Boulangerie. 

www.camping-routeverte.com

Campingpark Kehl-Straßburg

Campingpark Kehl-Straßburg
Campingpark Kehl-Straßburg

Da es leider in Straßburg selbst keinen Campingplatz mehr gibt, ist das Reisemobil oder der Caravan hier gut aufgehoben, während man Münster und Petite France erkundet. Ein Radweg führt direkt vom Campingplatz bis mitten in das historische Stadtzentrum von Straßburg.

www.campingplatz-kehl.de

Camping de Municipal

Die gemeindeeigenen Campingplätze sind eine Besonderheit Frankreichs. Mal sehr einfach, mal fast schon Luxusklasse steht man hier zu moderaten Preisen und trifft auf eine naturbelassene bis parkähnliche Umgebung. 

www.de.camping-alsace.com

Camping Le Florival

Camping Le Florival
Camping Le Florival

Schilder, die zu einem Campingplatz führen, sieht man in Frankreich überall. Wer das Ecomusee d'Alsace besuchen oder vom Süden auf die Route des Vins will, ist auf diesem modern parzellierten Platz unweit mehrerer Supermärkte gut aufgehoben.

www.camping-leflorival.com

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