Holsteinische Schweiz

Seenswert

Germany

Die Holsteinische Schweiz, jene sanft gewellte Region zwischen Kiel und Lübeck, ist ein grün-blaues Puzzle aus Land- und Wasserflächen mit stillen Buchten, Inseln und kleinen Flüssen – ein Campingparadies wie aus dem Bilderbuch.

Impressionen

Entstanden ist die pittoreske Naturlandschaft vor Jahrtausenden aus dem Chaos, das die letzte Eiszeit hinterließ. Erhöhungen aus Lehm- und Geröllmassen, von Gletschern zusammengeschoben, wechseln mit ausgeschürften Mulden und Schmelzwassertälern. Heute sind die Hügel von Wäldern, Wiesen und Feldern bedeckt. In den Vertiefungen hat sich Wasser gesammelt. Es gibt mehr als 200 Seen und Teiche, teilweise sind sie wie Perlen einer Kette durch Wasserläufe verbunden. Der bekannteste und vielleicht schönste Fluss der Region ist die Schwentine. Sie entspringt nahe dem Bungsberg, der höchsten Erhebung Schleswig-Holsteins. Von dort schlängelt sie sich 63 Kilometer bis zur Kieler Förde – ein Traum für Wasserwanderer. 

Die Holsteinische Schweiz ist eine Landschaft, die dazu einlädt, tief ins Naturerleben einzutauchen. Fürs nasse Element gilt das wörtlich. Beim Baden erfrischt das klare Wasser Körper und Seele. Beim Paddeln, Rudern und Segeln, auf dem Tretboot, auf Wasserskiern oder Ausflugsdampfern kann man es auf vielfältige Weise erfahren. Wer lieber trockenen Fußes unterwegs ist, findet an Land ein gut ausgebautes und markiertes Wegenetz für Wanderer und Radfahrer. Die Routen führen durch lichte Wälder, vorbei an wogenden Getreidefeldern, blühenden Wiesen und hohen Wallhecken, den für die Region charakteristischen Knicks. Heute haben diese Hecken große Bedeutung als artenreiche Ökosysteme, denn die Reihen aus Weißdorn, Holunder, Hasel, Schlehe und Hainbuche bieten zahlreichen Vogel- und Kleintierarten Nahrung und Unterschlupf. 

Wegen der fruchtbaren Böden hat die landwirtschaftliche Nutzung in der Region eine lange Geschichte. Uralte Aleen führen zu Gutssitzen mit prächtigen Herrenhäusern, die wegen ihres prunkvollen Baustils und aufwändiger Park- oder Gartenanlagen mancherorts auch als Schloss bezeichnet werden. Sympathische Kleinstädte und verträumte Dörfchen mit mächtigen Feldsteinkirchen und schönen Reetdachkaten sind entlang der Seeufer in die Landschaft eingestreut. Ein Idyll abseits jeder Hektik. Prädikat: „Seenswert“! 

Eutiner See
Blick auf den Eutiner See

Von einem See zum anderen

Knapp 20 Kilometer sind es von Kiel bis Preetz. Die Stadt liegt an der Schwentine zwischen Lanker See, Kirch- und Postsee. Im 19. Jahrhundert wurde der Ort durch das Schuhmacherhandwerk geprägt. Die Qualität der „Preetzer Holzschuhe“ trug den Namen der Stadt weit über ihre Grenzen hinaus. Einen 168 Jahre alten Familienbetrieb gibt es noch heute: Lorenz Hamann ist Holzschuhmacher in fünfter Generation. 

Dazu passt der Wander- und Radweg „Schusteracht“, der wie eine Acht verschlungen ist. Von Preetz kann man zu Fuß oder per Drahtesel auf zwei etwa 30 Kilometer langen Schleifen die Stadt und die wunderschöne Landschaft rundum erkunden. Am Wegrand sind altehrwürdige Gutshäuser zu entdecken. Das Flair-Hotel „Neeth“ in Lehmkuhlen-Dammdorf lässt Restaurantgäste mit Reisemobil gratis auf seinen Parkflächen übernachten. Angenehm gesättigt genießt man abends den romantischen Ausblick auf eine Pferdekoppel.

Die Lage der Kleinstadt Plön inmitten der Landschaft mit Großem und Kleinem Plöner See, Trammer See, Schöhsee, Trentsee, Stadtsee, Schwanensee und weiteren Gewässern ist ein Traum. Geradezu märchenhaft wirkt das weiße Schloss, das auf einem Hügel majestätisch über Stadt und Großem Plöner See thront und einst Sitz von Herzögen, Fürsten und Königen war. So groß wie der Prachtbau aus dem 17. Jahrhundert sind allerdings auch die Instandhaltungskosten. Weil notwendige Sanierungen für das Land unbezahlbar waren, wurde das Schloss verkauft. Heute beherbergt es die gemeinnützige „Fielmann Akademie“ und dient als Ausbildungs- und Qualifizierungsstätte von Augenoptikern. Einige restaurierte herzogliche Prunkräume des Ostflügels sind im Rahmen von Führungen zu besichtigen. 

Gleich neben dem Schloss liegt die einzige noch erhaltene barocke Reithalle Schleswig-Holsteins. Heute dient sie als Informationszentrum des Naturparks Holsteinische Schweiz und präsentiert verschiedene Ausstellungen zum Thema Natur. Natur pur bietet auch die Prinzeninsel, eine für den Autoverkehr gesperrte Halbinsel. Nur über einen malerischen Wanderweg – auch per Fahrrad zu befahren – oder per Ausflugsdampfer gelangt man dorthin. Etwa zwei Kilometer lang und zum Teil nur etwa 30 Meter breit streckt sich das Naturjuwel wie ein dürrer Finger in den See. Das ganze Areal ist heute noch im Besitz der Hohenzollern. Wo einstmals des letzten Kaisers Söhne die Landwirtschaft schätzen lernten, herrscht heutzutage reger Ausflugsbetrieb, besonders im Freibad mit dem feinen Sandstrand auf der Westseite.  

In Dersau an der Westspitze des Großen Plöner Sees gibt es abseits des Durchgangsverkehrs einen Anleger für Ausflugsdampfer, eine schöne Uferpromenade, Sandstrand und Liegewiese. Obwohl Dersau nur einen Katzensprung von der Bundesstraße entfernt liegt, herrscht hier idyllische Ruhe.  

Eine schattige Eichen-Allee führt von Dersau zum Gut Nehmten. Gerade einmal 230 Menschen leben in der Gemeinde Nehmten. Die Ortsteile tragen Namen wie Vogelsang oder Sande. Und tatsächlich gibt es hier nichts zu hören als Gezwitscher im Wald, das Schwappen der Wellen an den Strand des Plöner Sees und das leise Schmatzen der Segelboote, die in der Marina von Godau dümpeln. Wanderer finden ein gut ausgebautes Wegenetz vor.

Bosau ist ein nettes Dorf mit Sandstrand und Liegewiese. Vor allem die Dunkersche Kate mit Bauerngarten und Backhaus und die über 850 Jahre alte Feldsteinkirche sind sehenswert. Wer gut essen möchte, ist im Restaurant „Dat Gröne Huus“ bestens aufgehoben. Reisemobil-Gäste dürfen gratis auf den Parkflächen übernachten. 

Bösdorf hat zwölf kleine Ortsteile, die teilweise nur aus ein paar Häusern bestehen. Augstfelde besitzt einen Campingplatz und liegt romantisch am Vierersee. Eine Sehenswürdigkeit auf einer kleinen Anhöhe im Wald östlich der Südspitze des Vierer Sees ist die Bismarcksäule Waldshagen. Der 1913 eingeweihte Turm ist eines der zahlreichen zu Ehren von Otto von Bismarck errichteten Denkmäler Schleswig-Holsteins.

Ebenfalls turmhoch, aber viel älter ist die „Bräutigamseiche“. Sie steht seit wohl 500 Jahren im Dodauer Forst zwischen Bad Malente und Eutin. Einzigartig macht den Giganten nicht etwa sein stattlicher Stammumfang von fünf Metern, sondern die Tatsache, dass der Baum eine eigene Postadresse hat. An die Bräutigamseiche, Dodauer Forst, 23701 Eutin, schreiben Menschen aus aller Welt in der Hoffnung, auf diese Weise einen Partner zu finden. Der sportliche Postbote deponiert die Briefe täglich mittels Leiter im Astloch. In drei Metern Höhe gilt kein Postgeheimnis. Im Gegenteil: Jeder, der mag, darf die Schreiben lesen, mitnehmen und beantworten. Mehr als hundert Ehen sollen so schon geschlossen worden sein. 

Das Kneipp-Heilbad Malente liegt zwischen Dieksee und Kellersee. Am Anleger der Kellerseefahrt beginnt der Naturpfad „WunderWeltWasser“. Interessant ist auch die historische Tews-Kate, die älteste erhaltene Räucherkate Ostholsteins. Das Haus aus der Zeit um 1650 beherbergt heute ein kleines Museum. Und im Ortsteil Malente-Malkwitz gibt es tatsächlich einen Weinberg, auf dem die Weißweinsorte Solaris und die Rotweinsorten Regent und Cabernet Cortis gedeihen. Bewirtschaftet wird der Weinberg vom Team des Ingenhofs, einem Gut, das auch auf die Produktion von Erdbeeren und Himbeeren spezialisiert ist. Man kann die Früchte dort selbst pflücken, sich im Hofcafé verwöhnen lassen und natürlich auch die Weine erwerben. 

Eutin, die „Rosenstadt“, liegt zwischen dem Großen und Kleinen Eutiner See. Tatsächlich ranken in der historsichen Altstadt an den Fassaden der kleinen Häuser bunte Blumen und am Ufer des Großen Sees lädt ein kleiner Rosengarten zum Verweilen ein. Auch der große, denkmalgeschütze Schlossgarten steht Besuchern offen. 

Im Schloss sind historische Deckengemälde, Wandbespannungen, originale Möbel und Schiffsmodelle von Zar Peter dem Großen zu bewundern. Anstrengend, aber lohnend ist das Besteigen des alten Wasserturms. 156 Stufen führen mitten durch den Wassertank auf die Aussichtsplattform. 

Ein beliebtes Ausflugsziel ist das Jagdschlösschen am Ukleisee, sieben Kilometer nördlich von Eutin. Es wurde 1776 auf Wunsch des Lübecker Fürstbischofs auf einer erhöhten Landzunge zwischen Keller- und Ukleisee errichtet. Um die Entstehung des Ukleisees rankt sich eine spannende Sage: Weil ein Prinz sein Heiratsversprechen nicht hielt und statt seiner armen Verlobten lieber eine reiche Adlige ehelichte, soll die Kapelle während der Trauung mitsamt der Hochzeitsgesellschaft in sintflutartigem Gewitterregen im Boden versunken sein. 

Es heißt, das Läuten des Glöckchens ist heute noch in der Abenddämmerung zu hören. Man muss nur ganz ruhig sitzen und dabei auf den eigenen Atem hören, auf das stille Wasser, den schweigenden Wald und den funkelnden Sternenhimmel schauen und aufmerksam lauschen…

Text: Martina Berliner, Fotos: Berliner, F. Watty/panorama-service.net

In Seenähe übernachten

Rund um die Plöner Seen finden sich zahlreiche Camping- und Wohnmobilplätze. Von vielen dieser Anlagen sind es nur wenige Meter bis zum Seeufer. Je nach persönlicher Vorliebe lässt sich zwischen geradezu luxuriösen und sehr einfachen Quartieren eine Auswahl treffen. Hobby heute hat für Sie einige besucht.

Preetz: Naturcamping Kirchsee

Familiengeführter Campingplatz auf parkähnlichem Naturgrundstück in Zentrumsnähe, klein und ruhig, grenzt direkt ans Wasser, jedoch kein Seeblick. Kanu- und Tretbootverleih vor Ort, Badegelegenheit in der Nähe, platzeigenes Restaurant. Das neue Komfort-Sanitärgebäude darf auch von den Gästen des ganzjährig geöffneten Wohnmobilstellplatzes vor der Schranke genutzt werden.

Kahlbrook 25

Tel. 0 43 42/ 30 95 49

www.kanucenter-ploen.de

Plön: Naturcamping Spitzenort

Sehr gepflegter Campingplatz auf einer lang gestreckten Halbinsel, zwei Kilometer bis Plön. Viele Stellplätze grenzen unmittelbar ans Ufer, verschiedene Bademöglichkeiten, Außenpool. Das Wiesengelände ist teilweise durch Bäume und Büsche gegliedert, Bootsverleih vor Ort. Gaststube und SB-Markt am Platz. Separates Gelände mit kostengünstigen komfortablen Wohnmobil-Stellplätzen(jeweils eigene Säule mit Strom, Wasser-, Abwasser und TV-Anschluss). Maximaler Aufenthalt auf dem Womo-Stellplatz: 4 Nächte.

Ascheberger Str. 76

Tel. 0 45 22/27 69

www.spitzenort.de

Plön: Womo-Stop

Kommunaler Reisemobil-Stellplatz zwischen Bundesstraße und Kleinem Plöner See, kostenpflichtig (5 €, Wasser und VE je 0,50 €). Lage zentrumsnah, guter Ausgangspunkt für Stadtbummel, Schloss-Besichtigung, Radtour am Seeufer oder auf die Prinzeninsel, Imbiss am Platz, Aufenthalt max. eine Nacht.

Ascheberger Str. 2

Tel. 0 45 22/50 950

www.mobilisten.de

Ascheberg: Camping Musbergwiese

Campingplatz am Westufer des Großen Plöner Sees neben der Anlegestelle der Ausflugsdamper. Bootsverleih mit Badestrand und Liegewiese, Kiosk und Restaurant vor Ort. Platz reicht bis an die verkehrsreiche Straße, sehr feucht in Ufernähe. 

Vogelsang 5

Tel. 0 45 26/4 45

www.camping-ascheberg.de

Dersau: Camping Seeblick

Familiengeführter Campingplatz auf leicht geneigtem Wiesengelände am Westufer des Großen Plöner Sees. Durch Hecken begrenzt, Badestrand und Spielwiese am lang gestreckten Uferbereich. SB-Markt mit Brötchenservice und Grillimbiss am Platz.

Dorfstraße 59

Tel. 04526/1211

www.camping-dersau.de

Bosau: Camping Bosau

Von Dauercampern geprägte Anlage im Zentrum des Luftkurorts Bosau am Großen Plöner See. Ebenes parzelliertes Wiesengelände mit und ohne Schatten, kleiner Bootshafen, schöner Sandstrand. Strandcafé am Platz, weitere Restaurants und Einkaufsmöglichkeit im Ort.

Strandweg 10

Tel. 0 45 22/94 90

www.camping-bosau.de

Bösdorf: Campingpark Augstfelde

Ruhiger und weitläufiger Campingplatz direkt am Vierer See mit eigenem Ufer, mehrere Badestrände. Besonders für Familien geeignet: vier Spielplätze, Kindergarten, Kinderanimation. Restaurant, Supermarkt, Minigolf, Kanu-, Boots- und Fahrradverleih am Platz. Vor dem Campingpark gibt es günstige und komfortable Stellplätze für Reisemobile. 

Augstfelde 1

Tel. 0 45 22/81 28

www.augstfelde.de

Bösdorf: Campingpark Gut Ruhleben

Großes ebenes Wiesengelände zwischen Waldrand und See, von Wald umgeben, Campingplatz ist von Dauercampern dominiert, kleine Marina, Angelboot­verleih, Bootssteg und Badestrand. Blick über den See auf das Plöner Schloss (4 km). Auf Camping Ruhleben liegen die meisten Touristenplätze in Ufernähe, vor der Schranke am Waldrand gibt es günstige Stellplätze für Reisemobile.

Missionsweg 2

Tel. 0 45 22/83 47

www.camp-ruhleben.de

Bad Malente-Gremsmühlen: Camping An der Schwentine

Kleiner, sehr ruhig gelegener Platz in der Wiesenaue der Schwentine, teilweise durch Büsche und Hecken parzelliert. Das Areal direkt am Fluss ist für Paddler reserviert. Badestelle und Spielplatz sind vor Ort. Restaurant 300 m, Supermarkt 600 m. 

Wiesenweg 14

Tel. 0 45 23/43 27

www.camping-bad-malente.de

Eutin-Fissau: Natur-Camping Prinzenholz

Absolut ruhig zwischen Wald und See gelegener familiengeführter Campingplatz mit Bademöglichkeit. Die Terrassierung des steil abfallenden Geländes erlaubt Seeblick von fast allen Stellplätzen. Bootssteg, Imbiss und Fahrradverleih vor Ort. Einkaufsmöglichkeiten sind 500 Meter entfernt, das Eutiner Zentrum zwei Kilometer.

Prinzenholzweg 20

Tel. 0 45 21/52 81

www.naturpark-camping-prinzenholz.de

Im Ortsteil Gremsmühlen gibt es zentrumsnahe, aber ruhig gelegene gekennzeichnete Reisemobil-Stellplätze auf dem öffent­lichen Parkplatz an der Sebastian-Kneipp-Straße. Sehenswürdigkeiten in fußläufiger Nähe: historische Räucherkate, Kurpark, Arboretum, Wildpark und Keller- bzw. Dieksee. Aufenthalt max. eine Nacht.

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