Bei Hobby ist das Lieferantenmanagement ein zentraler Bestandteil funktionierender Prozesse, da viele Zulieferer für Komponenten wie Fenster, Kühlschränke und Heizungen zuverlässig koordiniert werden müssen. Das stellt die Qualität, Termintreue und Wirtschaftlichkeit in der Produktion sicher, läuft aber häufig im Hintergrund ab. Mareike Frahm gibt im Interview Einblicke in ihren vielfältigen Aufgabenbereich, die Weiterentwicklung des Lieferantenmanagements bei Hobby und die Herausforderungen eines Arbeitsalltags, in dem Flexibilität und strukturierte Lösungen gefragt sind und sie manchmal in die große, weite Welt bringt.
Mareike, dein Job führt dich von Gesprächen mit Lieferanten bis zu Audits im Ausland. Bevor wir darauf eingehen: Stell dich doch einmal kurz vor. Wie hat dein Weg bei Hobby begonnen?
Mareike: Tatsächlich bin ich eher durch Zufall ins Unternehmen gekommen. Nach einer zunächst begonnenen Ausbildung in einem anderen Unternehmen wollte ich mich neu orientieren. Über eine Empfehlung im Bekanntenkreis ergab sich dann kurzfristig die Möglichkeit, mich bei Hobby zu bewerben. So habe ich hier meine Ausbildung zur Industriekauffrau begonnen. Nach dem Abschluss bin ich dann im Einkauf geblieben, habe dort verschiedene Positionen durchlaufen. Mittlerweile bin ich seit 15 Jahren bei Hobby und habe mich Schritt für Schritt in meine heutige Rolle im Lieferantenmanagement entwickelt.
Lieferantenmanagement klingt nach einer sehr vielseitigen Aufgabe. Was gehört heute konkret zu deinen Aufgaben?
Mareike: Ich kümmere mich um die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten, von der Auswahl über die Qualifizierung bis hin zur Weiterentwicklung. Dazu gehört auch, Lieferanten zu auditieren, sowohl neue als auch bestehende Partner. Dabei schauen wir uns vor Ort an, wie Prozesse laufen und ob unsere Anforderungen erfüllt werden.
Außerdem ist ein großer Schwerpunkt das Thema Compliance. Wir müssen sicherstellen, dass gesetzliche Anforderungen eingehalten werden, zum Beispiel EU-Vorgaben zu Materialien oder das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Das ist einer der Bereiche, die oft im Hintergrund stattfinden, aber eine große Verantwortung mit sich bringt. Zusätzlich bin ich in IT und Digitalisierungsprojekte eingebunden, die unsere Einkaufsprozesse weiterentwickeln. Das Lieferantenmanagement bauen wir aktuell neu auf, was die Aufgabe besonders spannend macht.
Du hast gesagt, vieles passiert im Hintergrund. Was unterschätzen andere vielleicht an deinem Job?
Mareike: Besonders wichtig sind die gesetzlichen Anforderungen. Oft ist nach außen hin nicht sofort erkennbar, wie viel Abstimmung und Sorgfalt notwendig sind, um diese Themen kontinuierlich im Blick zu behalten und umzusetzen. Damit verbunden ist die Verantwortung, die Einhaltung sicherzustellen – eine Aufgabe, die nicht immer sichtbar, für das Unternehmen jedoch von großer Bedeutung ist.
Du bist auch international unterwegs. Was bleibt dir besonders in Erinnerung?
Mareike: Mein erster Lieferantenbesuch war etwas ganz Besonderes: Er führte mich zu einem niederländischen Unternehmen, das unsere Seitenwand-, Bug- und Heckfenster für Wohnwagen und Reisemobile fertigt. Dort durfte ich in der Produktion eigenhändig ein Fenster pressen und es anschließend mitnehmen. Heute hängt es als schöne Erinnerung in meinem Büro.
Auch Audits im Ausland sind immer etwas Besonderes. Vor gut einem Jahr war ich beispielsweise in China, um dort ein Produktionswerk zu auditieren. Das war sehr beeindruckend. Auch Besuche bei Lieferanten in Italien oder anderen europäischen Ländern geben spannende Einblicke. Wenn man vor Ort ist, versteht man Abläufe viel besser und baut eine andere Verbindung zu den Lieferanten auf. Man merkt schnell, ob Prozesse wirklich so funktionieren, wie sie beschrieben werden. Und als kleines Andenken bringe ich mir von jeder Reise einen Kühlschrankmagneten mit (lacht).


Viele können sich unter dem Arbeitsalltag im Einkauf wenig vorstellen. Wenn du versuchst, ihn zu beschreiben, wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?
Mareike: Einen typischen Tag gibt es eigentlich nicht, und genau das macht den Job aus. Jeder Tag bringt neue Themen mit sich. Oft geht es darum, kurzfristig Lösungen zu finden, z.B. wenn bei Lieferanten Probleme entstehen. Dann spreche ich mit Disponenten und Lieferanten, analysiere die Situation und erarbeite gemeinsam Maßnahmen, damit die Belieferung wieder stabil laufen kann.
Wir arbeiten mit rund 1.000 Lieferanten zusammen. Natürlich konzentrieren wir uns besonders auf unsere A-Lieferanten, also die Partner mit dem größten Einfluss auf unsere Produktion. Dort führen wir auch regelmäßige Audits durch, um Prozesse zu analysieren und Verbesserungen anzustoßen.
Was macht für dich einen wirklich guten Lieferanten aus?
Mareike: Verlässlichkeit und Flexibilität sind entscheidend, gerade in unserer Branche. Ein guter Lieferant liefert termin- und mengentreu, reagiert schnell auf Veränderungen und erfüllt unsere Qualitäts- und Compliance-Anforderungen.
Gleichzeitig wird Digitalisierung immer wichtiger. Transparente Prozesse, strukturierte Abläufe und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung spielen eine große Rolle. Und natürlich ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe genauso wichtig.
Du arbeitest mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen, intern wie extern. Wo liegen dabei die größten Herausforderungen?
Mareike: Jede Abteilung und jeder Lieferant funktioniert anders. Deshalb braucht man ein gutes Gespür dafür, wie man auf Menschen zugeht und wie man Situationen einschätzt. Deshalb ist auch Fingerspitzengefühl ein großer Teil der Arbeit. Natürlich macht man auch Fehler. Wichtig ist, daraus zu lernen. Gerade in Veränderungsprozessen, die wir aktuell durchlaufen, gehört es dazu, sich selbst zu reflektieren und offen für Neues zu bleiben.
Was nimmst du persönlich, auch über den Arbeitsalltag hinaus, aus deinem Beruf mit?
Mareike: Vor allem den Umgang mit Menschen und das Meistern von Herausforderungen. Ich habe gelernt, nicht sofort hektisch zu reagieren, sondern erst einmal ruhig zu bleiben, zu analysieren und strukturiert vorzugehen. Das klappt nicht immer, aber immer öfter. Das hilft auch im Privaten.
Zum Ausgleich mache ich Musik, ich spiele seit meinem achten Lebensjahr Klarinette. Und was mich komplett runterbringt: puzzeln. Man konzentriert sich auf ein Teil nach dem anderen. Das ist manchmal gar nicht so anders als im Lieferantenmanagement.
