Mit ihrem umgebauten Beachy 360 haben Kristin und Adrian ein ganz besonderes Projekt auf die Beine gestellt: ein mobiles Café als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft und die Region Mühlingen, Baden-Württemberg. Entstanden ist die Idee aus ihren persönlichen Erfahrungen in Südafrika. Inspiriert wurden sie durch die dortige gelebte Kultur und so wuchs der Wunsch auch in ihrer ländlichen Heimat Menschen zusammenzubringen. Im Gespräch erzählen sie, wie alles begann, wie die Umsetzung funktioniert und wie es in Zukunft weitergehen könnte.

Wie kam euch die Idee ein mobiles Café zu eröffnen?
Die erste Inspiration kam tatsächlich aus Südafrika. Wir verbringen dort regelmäßig Zeit und haben besonders in Kapstadt erlebt, wie wichtig kleine Cafés als soziale Treffpunkte sind. Die Menschen gehen morgens joggen, bringen ihre Kinder zur Schule oder sind unterwegs und treffen sich anschließend auf einen Kaffee. Es entsteht ganz natürlich ein Ort für Begegnungen und Gespräche.
Bei uns hier in der Bodenseeregion, eher ländlich geprägt, gibt es solche Treffpunkte oft nicht. In unserem Ort gibt es beispielsweise keinen Laden und keinen festen sozialen Mittelpunkt. Wir wollten deshalb etwas schaffen, das genau diese Funktion übernimmt.
Warum fiel die Wahl auf den Beachy?
Der Beachy vermittelt sofort ein Gefühl von Urlaub, Freiheit und Entspannung. Genau diese Atmosphäre wollten wir für unser Café schaffen.
Dazu kommt ein ganz praktischer Aspekt: Hier am Bodensee kann es auch mal windig oder kühl sein. Dann haben die Gäste die Möglichkeit, im Innenraum Platz zu nehmen, auf ihren Kaffee zu warten oder sich einfach kurz auszuruhen. Diese Kombination aus Außenbereich und gemütlichem Innenraum macht den Beachy für unser Vorhaben besonders geeignet.
Habt ihr den Umbau selbst durchgeführt?
Ja, den größten Teil haben wir selbst umgesetzt. Natürlich gab es einzelne Arbeiten, bei denen wir Fachbetriebe hinzugezogen haben, beispielsweise bei speziellen Kabeldurchführungen, damit alles fachgerecht ausgeführt wird. Grundsätzlich war es uns aber ein Anliegen, das Projekt selbst zu gestalten und unsere eigenen Ideen einzubringen. Uns war es beispielsweise wichtig, den Nachhaltigkeitsaspekt von Anfang an zu berücksichtigen. Wir haben eine eigene Firma, SonnPower, mit welcher wir kundenspezifische Photovoltaik-Lösungen erarbeiten. So konnten wir beispielsweise Solarfolien an dem Beachy anbringen und die Stromversorgung autark und nachhaltig mit der ersten mobilen Anwendung der gedruckten Photovoltaik in Deutschland aufstellen.
Das mobile Café ist bereits unterwegs. Wie wird das Angebot angenommen?
Die Resonanz ist wirklich sehr positiv. Die Menschen sind dankbar und freuen sich über das Angebot.
Wir arbeiten mit einer regionalen Bäckerei zusammen und bieten regelmäßig Kaffee bzw. Espressospezialitäten, Tee und Kuchen an. Inzwischen gibt es im Sommer Eis, Kaltgetränke und manchmal sogar Waffeln. Besonders schön ist, dass viele Besucher nicht nur etwas kaufen, sondern tatsächlich bleiben und miteinander ins Gespräch kommen.
Hat sich eure Vision des sozialen Treffpunkts also bereits jetzt erfüllt?
Ja, auf jeden Fall. Es gibt mittlerweile einige Stammgäste, die regelmäßig vorbeikommen. Besonders in Erinnerung geblieben ist uns ein Tag, an dem mehrere Besucher ihre Stühle mitgebracht haben und den Platz ganz selbstverständlich als Treffpunkt genutzt haben. Genau das war von Anfang an unsere Idee: einen Ort zu schaffen, an dem man sich begegnet, austauscht und gemeinsam Zeit verbringt.



Gibt es Pläne für die Zukunft?
Viele sogar. Bereits jetzt arbeiten wir ausschließlich mit regionalen Zulieferern zusammen. Langfristig können wir uns vorstellen, mit weiteren regionalen Akteuren zusammenzuarbeiten, etwa für einen kleinen Wochenmarkt oder andere Gemeinschaftsprojekte. An unserem Standort wäre sogar genug Platz für einen Mini-Markt vorhanden. Das ist eine Vision, die wir weiterhin verfolgen möchten. Wir wünschen uns, dass rund um den Beachy nach und nach ein lebendiger Treffpunkt für die Region entsteht.
Gab es bislang einen Moment, der euch besonders in Erinnerung geblieben ist?
Da gibt es tatsächlich zwei. Der erste war noch vor dem eigentlichen Projektstart. Wir haben den Beachy während eines Frankreich-Urlaubs getestet und selbst darin übernachtet. Das war ein ganz besonderes Erlebnis und hat uns noch einmal bestätigt, wie viel Potenzial in diesem Fahrzeug steckt.
Der zweite Moment war die Abnahme für das Förderprojekt. Monatelang hatten wir geplant, gebaut und getestet. Als schließlich alles funktionierte und der erste Kaffee aus der Maschine lief, war das ein echtes Erfolgserlebnis. Lustigerweise wurde dieser erste Kaffee von der Prüferin der Förder-Aktionsgruppe Leader Westlicher Bodensee e.V. abgelehnt, die zur Abnahme vor Ort war - da sie Teetrinkerin war…
Welche Bedeutung hat die Förderung für euer Projekt?
Ohne die regionale Förderung wäre vieles deutlich schwieriger gewesen. Sie hat uns geholfen, wichtige Anschaffungen wie die Kaffeemaschine und den elektrischen Ausbau zu bezuschussen. Gleichzeitig ist die Förderung an einen klaren Gedanken geknüpft: die Stärkung der Gemeinschaft im ländlichen Raum. Genau das entspricht auch unserer eigenen Vision. Langfristig können wir uns sogar vorstellen, das Projekt stärker als Community-Modell zu organisieren und die Einwohner aktiv einzubinden.
Könnte das Konzept auch an anderen Orten funktionieren?
Davon sind wir überzeugt. Das Projekt wurde zunächst als Musterkonzept entwickelt und ließe sich grundsätzlich vervielfältigen. Man könnte das Konzept auf größere Fahrzeuge übertragen oder Interessierten sogar als Paketlösung zur Verfügung stellen. Besonders spannend finden wir dabei die Verbindung aus mobilem Café, nachhaltiger Energieversorgung und sozialem Mehrwert.
