Aus einer ersten Vision entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ein echtes Herzensprojekt: das erste Hobby-Blutspendemobil. Doch wie verwandelt man einen serienmäßigen Wohnwagen in eine voll funktionsfähige, rollende Blutspendestation? Im Interview blicken wir hinter die Kulissen dieses besonderen Projekts. Wir sprechen mit dem Ideengeber Klaus, der den entscheidenden Anstoß gab, und Annemarie aus der Konstruktion, die die medizinischen Anforderungen gemeinsam mit dem Team mutig in die Realität umgesetzt hat.
Wie hat es sich angefühlt, als aus deiner ersten Idee plötzlich dieses riesige UKSH-Gemeinschaftsprojekt wurde?
Klaus: Es hat ziemlich lange gedauert, bis aus dem ersten Gedanken ein echtes Projekt entstanden ist. Die Organisation hat im Vorfeld einiges an Blut, Schweiß und Tränen gekostet. Zwischendurch habe ich mich schon gefragt, was ich da eigentlich angestoßen habe! (lacht) Mir war natürlich klar, dass wir unsere Konstruktionsabteilung damit vor eine enorme zusätzliche Herausforderung stellen. Auslöser war eine interne Blutspendeaktion, aus der sich die Idee für den mobilen Wohnwagen dann erst Schritt für Schritt entwickelt hat.
Wie liefen die entscheidenden Abstimmungen und Treffen mit den Medizinern vom UKSH ab?
Klaus: Ganz am Anfang saßen wir mit dem damaligen Leiter unserer Konstruktion und zwei Vertretern der UKSH-Transfusionsmedizin zusammen. Die Mediziner hatten ursprünglich die Vision von einem Fahrzeug, mit dem sie selbst flexibel für Blutspenden unterwegs sein können. Daraus entstand in unserer Runde die konkrete Idee für den Wohnwagen. Es hat etwa drei Meetings gedauert, bis wir genau wussten, welches Modell wir als Basis an den Start bringen. Als feststand, dass zum Beispiel vier Spenderliegen integriert werden müssen, hat sich das Raumkonzept sehr schnell entwickelt.
Annemarie: Während Klaus die Anfänge begleitet hat, bin ich erst im späteren Verlauf zum Projekt dazugestoßen und war beim finalen großen Abstimmungstreffen dabei. Im März 2025 wurde der offizielle Präsentationstermin für die Kuratoriumssitzung im Juli 2025 bekannt gegeben. Ab diesem Moment herrschte natürlich ein gewisser Zeitdruck, weil bis dahin alles fertig sein musste. Wir haben die medizinischen Anforderungen des UKSH in dieser Runde noch einmal im Detail durchgesprochen und dann ging es für mich direkt an die Umsetzung des Innenausbaus.
Hast du denn in diesem Moment schon gespürt, dass das Team dieses Projekt rocken wird?
Annemarie: Absolut! Zum Kernteam gehörten Vanessa für die Außenhülle und Kai für die Technik. Beide sind in der Wohnwagenkonstruktion tätig, während ich ja eigentlich aus der Reisemobilkonstruktion komme. Unterstützt wurden wir von unseren Vorgesetzten Matthias, Christoph und Birger sowie den Kollegen aus dem Modellbau. Es war schön zu sehen, wie schnell Pläne erfolgreich umgesetzt werden konnten, weil einfach alle abteilungsübergreifend angepackt haben. Ich hatte unglaublich Lust auf diese Herausforderung, weil sie komplett anders war als die Planung unserer eigentlichen Serienfahrzeuge. Das Besondere waren einfach die Rahmenbedingungen: Stückzahl 1, ein enges Zeitfenster und eine riesige Verantwortung. Aber genau das hat uns zusammengeschweißt.
Wie hast du dich gefühlt, als der offizielle Startschuss für die Konstruktion des Möbelausbaus fiel?
Annemarie: Natürlich war ich nervös, ob das alles so klappt. Aber ehrlich gesagt arbeite ich unter Druck meistens am besten. Wegen der generell engen Lieferfristen hatten wir keinen Spielraum für Fehler – es musste alles auf Anhieb sitzen. Ich hatte den persönlichen Anspruch, diese Aufgabe absolut gewissenhaft und perfekt zu erledigen. Vor allem, weil ich mich riesig darüber gefreut habe, dass meine Vorgesetzten mir dieses Vertrauen geschenkt und mich für das Projekt ausgewählt haben.
Überwog in diesem Moment eher der Respekt vor der großen Aufgabe oder die pure Vorfreude?
Annemarie: Anfangs war es definitiv der Respekt. Ich gehe neue Aufgaben generell erst einmal sehr ernst und fokussiert an, das ist einfach meine Art. Mit der Zeit kam dann aber immer mehr Vorfreude auf. Ich habe gemerkt, dass mein Zeitplan aufgeht und ich alles strukturiert abarbeiten kann. Als es dann im Modellbau an den eigentlichen Innenausbau ging und man live sehen konnte, dass meine Planung passte, war das ein tolles Gefühl. Wir haben uns Schritt für Schritt von hinten nach vorne durchgearbeitet. Die Zusammenarbeit im Team hat einfach unglaublich viel Spaß gemacht.

Klaus, Ideengeber des Projekts, und Annemarie aus der Konstruktion geben spannende Einblicke in die Entstehung des ersten Hobby-Blutspendemobils.
Ihr musstet als Team völlig ohne bestehendes Referenzprojekt planen. Was war für dich und deine Kollegen in der Konstruktion die größte technische Herausforderung beim Möbelausbau?
Annemarie: Die größte Herausforderung war die Stabilität. Da wir nicht die gewohnten Serienmöbel verbaut haben, fehlte dem Wohnwagen anfangs die nötige Steifigkeit. Hier mussten wir in der Konstruktion gut zusammenarbeiten: Das Team für die Außenhülle hat vier zusätzliche Querbalken in die Decke eingezogen. Deren Konturen musste ich absolut exakt in meine Möbelplanung übernehmen. Die Möbel mussten am Ende die Konstruktion stützen, damit das Fahrzeug stabil bleibt. Das Spannende war: Wir konnten im Vorfeld nicht zu 100 Prozent theoretisch berechnen, ob das Konzept aufgeht. Wir mussten es erst bauen, um zu sehen, ob es hält. Und es hat gehalten!
Klaus, welcher konkrete Moment oder welche Lösung aus der Konstruktionsphase ist dir am meisten in Erinnerung geblieben
Klaus: Ganz klar die Diskussion um die Spenderstühle. Das Thema hat sich wirklich extrem in die Länge gezogen. Es standen verschiedene Varianten im Raum, und wir hatten sogar schon das erste physische Muster bei uns im Werk stehen. Das UKSH bat dann aber nach Prüfung um ein anderes Modell. Am Ende war der Einwand aber richtig und der Aufwand hat sich absolut gelohnt: Die Stühle sehen super aus und erfüllen perfekt ihren medizinischen Zweck.
Gab es bei diesem Projekt eigentlich Materialien oder Bauteile, die ihr üblicherweise beim normalen Wohnwagenausbau gar nicht verwendet?
Annemarie: Oh ja, eine ganze Menge! Das fing schon beim speziellen medizinischen Kühlschrank für die Kühlelemente an, mit denen die Blutkonserven gekühlt werden. Auch die massiven Stühle für die vier Spendeplätze waren eine Herausforderung. Da sie sehr groß und schwer sind, mussten wir uns eine clevere Befestigung überlegen. Da zwei der Stühle im Heck platziert sind, durfte der Fahrzeugboden dort unter der Last keinen Schaden nehmen. Wir haben das Problem gelöst, indem wir zusätzliche Stahlplatten zur Lastenverteilung und Stabilisierung verbaut haben.
Eine weitere Besonderheit war die Beschichtung der Möbelplatten. Diese musste resistent gegen scharfe Desinfektionsmittel und medizinische Flüssigkeiten sein. Das absolute Highlight in der Konstruktion war für mich aber die Nutzung unseres Möbel-Profils der Beachy-Baureihe. Das Geniale an diesem System ist, dass man mit einer einzigen Plattendicke für alle Möbelkomponenten arbeiten kann. Dass der gesamte Wohnwagen aus nur einer einzigen Holzstärke besteht und nicht aus unzähligen Varianten, ist extrem cool. Das hat uns den Zusammenbau enorm erleichtert.
Wenn wir an die feierliche Eröffnung und das Durchschneiden des roten Bandes auf dem Gelände des UKSH in Kiel zurückdenken: Was ging euch in diesem Moment durch den Kopf, als ihr das fertige Mobil dort im Rampenlicht gesehen habt?
Klaus: Zunächst habe ich mich natürlich riesig gefreut, dass wir es pünktlich geschafft haben. Auf der anderen Seite war es mir fast ein bisschen unangenehm, so im Mittelpunkt zu stehen. Ja, ich hatte die allererste Idee und habe den Anstoß gegeben – aber die Mammutaufgabe der Umsetzung hat das gesamte Team gestemmt. Wie Annemarie schon sagte, hat vor allem der Modellbau und die Konstruktion Unglaubliches geleistet. Ich war einfach froh, dass ich bei der Eröffnung nicht alleine im Rampenlicht stand. Das wäre falsch gewesen und hätte sich für mich auch nicht richtig angefühlt. Es war eine echte Teamleistung der Abteilungen.
Annemarie: Ich habe mich einfach wirklich gefreut, dass der Wohnwagen nach der Fertigstellung im Juli 2025 nun endlich zum Einsatz kommt. Mein erster Gedanke war: „Cool, jetzt erwacht das Fahrzeug zum Leben!“ Es war faszinierend zu sehen, wie die medizinischen Utensilien eingeräumt wurden und wie das UKSH-Team darin arbeitet. Ich kannte den Wagen ja nur als reine Baustelle aus der Konstruktion. Ihn dann komplett eingerichtet und direkt bei der ersten echten Blutspende in Aktion zu erleben, war spannend.
Inwiefern passt dieses Projekt aus eurer Sicht zur Marke Hobby?
Klaus: Unser Marken-Slogan lautet: „Gebaut fürs Leben“. Was könnte also besser passen als ein mobiles Blutspendemobil? Genau: absolut nichts! Hier wird direkt dafür gesorgt, dass Menschen überlebenswichtige Blutspenden erhalten – sei es für schwere Operationen oder in der Notfallmedizin. Die Kombination aus unserem Versprechen „Gebaut fürs Leben“ und diesem rollenden Lebensretter könnte meiner Meinung nach nicht treffender sein.
Das Projekt war beruflich eine riesige Herausforderung. Inwiefern hat euch diese Arbeit auch persönlich weiterentwickelt?
Annemarie: Man lernt durch so eine intensive Aufgabe, von Anfang bis Ende die volle Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Es hat mich gelehrt, Entscheidungen mutig zu treffen und Dinge einfach konsequent umzusetzen. Wenn man dann am Schluss sieht, dass alles funktioniert, nimmt man ein unglaublich bestärkendes Erfolgserlebnis für die Zukunft mit.
Klaus: Für mich hat das Projekt einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, eingefahrene Pfade zu verlassen. Man muss sich einfach mal trauen, eine Idee komplett „out of the box“ zu denken und anzugehen. Nur wenn man den Mut hat, querzudenken und etwas völlig Neues zu wagen, können solche großartigen Dinge entstehen.
Wenn ihr das fertige Mobil und die Leistung des gesamten Teams in jeweils drei Worten beschreiben müsstet – welche wären das?
Annemarie: Teamarbeit, Fokus und lebensrettend!
Klaus: Respekt, Hochachtung und Freude!
