Für viele Camper bedeutet der Winter, den Wohnwagen bis zum Frühjahr einzulagern. In Skandinavien hat Wintercamping eine lange Tradition. Wir haben mit Håkan Jaegmar, unserem langjährigem Hobby-Agent in Schweden und leidenschaftlichem Wintercamper, gesprochen. Er verrät uns seine besten Tipps für Wintercampingregionen in Schweden und teilt seine ganz persönlichen Erfahrungen.

Håkan, du bist in Schweden aufgewachsen. Wann hattest du dein erstes Wintercamping-Erlebnis?
Mein erstes Wintercamping-Erlebnis hatte ich Ende der 1980er-Jahre, als ich etwa 14 Jahre alt war. Meine Familie und ich waren in Isaberg, einem wunderschönen Skigebiet im Süden Schwedens. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, denn ich war vorher noch nie Wintercampen und es fühlte sich an, als würde sich eine völlig neue Welt für mich öffnen. Seitdem unternehme ich regelmäßig Wintercamping-Reisen in verschiedene Regionen Skandinaviens.
Viele verbinden Camping vor allem mit Sommerurlaub und Sonnenschein. Was macht Wintercamping für dich persönlich so besonders?
Für mich ist es die perfekte Kombination aus einzigartigen Aktivitäten und einer besonderen Form der Entspannung, die man nur unter diesen Bedingungen findet. Tagsüber kann man Ski fahren oder wandern, den Schnee genießen und viel Zeit draußen verbringen. Danach kehrt man in einen warmen, gemütlichen Wohnwagen oder in das Reisemobil zurück, sitzt gemeinsam auf dem Sofa, spielt Karten, genießt gutes Essen und entspannt sich mit seinen Liebsten, während draußen lautlos die Schneeflocken fallen. Genau das macht Wintercamping für mich so besonders.
Gibt es einen ganz besonderen Wintercamping-Moment, an den du dich immer erinnern wirst?
Vielleicht nicht einen einzigen Moment, aber ich werde nie vergessen, wie wir 2018 in Jokkmokk zum ersten Mal unsere Warmwasser-Fußbodenheizung getestet haben. Draußen waren es fast -30 °C, deshalb stellte ich die ALDE-Heizung vorsichtshalber auf 28 °C, weil ich Angst hatte, etwas könnte einfrieren. Als wir einige Stunden später zum Wohnwagen zurückkehrten, fühlte es sich eher wie eine Sauna als wie ein Wintercampingplatz an. (lacht) Es stellte sich heraus, dass ich mir überhaupt keine Sorgen machen musste!
Gibt es ein besonders lustiges Wintercamping-Erlebnis, an das du dich noch heute erinnerst?
Auf jeden Fall. Einmal habe ich vergessen, die Abwasserrohre richtig auf den Winter vorzubereiten. Die Folge war, dass das Abwasser darin gefror. Es gab nur eine einzige Lösung vor Ort: Unter den Wohnwagen kriechen und die Rohre mit dem Föhn meiner Frau aufzutauen. An diese Geschichte erinnert sie mich bis heute gerne und regelmäßig.
Gibt es eine Gewohnheit oder Tradition, die auf keiner Wintercamping-Reise fehlen darf?
Ich muss zugeben, dass ich ein kleiner Kontrollfreak bin! Ich reise immer mit zwei vollen Gasflaschen, die über eine DuoControl-Gasumschaltanlage mit EisEx-Frostschutzfunktion verbunden sind. Außerdem kontrolliere ich meine Winterreifen vor jeder Fahrt ganz genau. In Schweden vertraue ich ausschließlich auf echte Spikereifen!



Welche drei Dinge packst du immer ein, an die andere vielleicht nicht denken würden?
Erstens nehme ich immer zusätzliche Schlafsäcke mit, falls etwas Unerwartetes passiert. Zweitens habe ich stets eine voll geladene 12-Volt-Ersatzbatterie dabei. Und drittens überprüfe ich vor jeder Abreise meine gesamte Winterausrüstung, um sicherzustellen, dass alles einsatzbereit ist. Vorbereitung ist essenziell, wenn die Temperaturen sinken. Wie gesagt: Ich bin ein Kontrollfreak. (lacht)
Gibt es eine Region oder einen Campingplatz, auf dem du besonders gerne Wintercamping machst?
Einer meiner absoluten Favoriten ist Orsa Grönklitt. Dort gibt es fantastische Langlaufloipen und hervorragende Möglichkeiten für alle, die winterliche Outdoor-Aktivitäten lieben.
Welchen Rat würdest du jemandem geben, der zum ersten Mal Wintercamping ausprobieren möchte?
Einfach machen. Gehe mit einer positiven Einstellung an die Sache heran, genieße das Erlebnis und habe keine Angst vor der Kälte. Moderne Wohnwagen sind heute unglaublich gut ausgestattet, und Wintercamping ist viel einfacher, als viele denken.
Was ist deiner Meinung nach beim Wintercamping wichtiger: Abenteuerlust oder eine entspannte Einstellung?
Idealerweise hat man beides. Abends genieße ich eine entspannte Atmosphäre, tagsüber bin ich aber gerne aktiv. Ich liebe sowohl Alpinski als auch Langlauf. Für mich vereint der perfekte Winterurlaub Abenteuer, Aktivitäten in der Natur und Entspannung.
